Fraktionsinterview im Vorfeld der Kommunalwahl 2021

Im Vorfeld der Kommunalwahl 2021 erschwert die Pandemie den öffentlichen, politischen Diskurs zwischen den Parteien und den Wählern sehr stark. Für einen Dialog mit den Wählern müssen daher neue Wege gefunden werden, um die Positionen und Vorhaben der politischen Akteure sichtbar zu machen.

Da der Sportstadt Baunatal in der kommenden Legislaturperiode wichtige Weichenstellungen, insbesondere in der Sportentwicklung bevorstehen, möchte der KSV Baunatal der Politik in diesem Themenfeld gern ein neues Forum bieten. Gleichzeitig ist es uns als größte Personenvereinigung Baunatals ein Anliegen, den rund 7.000 Vereinsmitgliedern eine Orientierungshilfe in sport- und vereinsrelevanten Aspekten zu ermöglichen.

Wir haben daher nachfolgende sieben Fragen formuliert, die für unsere Mitglieder und für die Vereinsführung von besonderem Interesse sind. Allen Fraktionen, die derzeit in der Baunataler Stadtverordnetenversammlung vertreten sind, wurde eine gleichberechtigte Stellungnahme ermöglicht.

Die Antworten der Fraktionen werden ungekürzt und unverändert im Folgenden Text und zum Download wiedergegeben. Bei allen Beteiligten bedanken wir uns sehr herzlich für die reflektierte Auseinandersetzung mit den jeweiligen Themen. Wir wissen es sehr zu schätzen, dass sich die in der Kommunalpolitik ehrenamtlich Engagierten die Zeit dafür genommen haben!

KSV Baunatal e.V. | Der Vorstand | Februar 2021

1. Der KSV Baunatal übernimmt vielfältige Aufgaben von gesamtgesellschaftlicher, sozialer Verantwortung. In welchen Themenfeldern wird Ihre Fraktion die Bemühungen des Vereins besonders unterstützen?

SPD: Die SPD-Fraktion wird auch zukünftig alle Vereinsbemühungen unterstützen, die sich der Förderung des Leistungs-, Breiten- und Freizeitsports, des Sports in der Gesundheitsvorsorge sowie kultureller Angebote widmen. Damit sind insbesondere auch die Förderung generationenübergreifender Angebote, die integrativen Aufgaben in Bezug auf Neubürger*innen und die vielschichtigen Angebote im Bereich der Inklusion miteinbezogen.
Auch in weiteren Themenfeldern, wie z.B. Kindersportschulen oder Schulsport, können die Vereine auf die Unterstützung der SPD-Fraktion bauen. Denn all diese Themenbereiche tragen dazu bei, dass Baunatal als Sportstadt gilt.

CDU: Generell stehen wir dem KSV bei all seinen gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen immer mit einem offenen Ohr für seine Anliegen zur Seite. Der Dialog steht für uns im Mittelpunkt unserer politischen Meinungsbildung. Dies gilt selbstverständlich auch für den Ausbau und den Erhalt der sportlichen Infrastruktur (Sportstätten), als auch bei der Weiterentwicklung der sportlichen Angebote (Sportentwicklungsplanung). Nur so kann unsere Stadt so lebenswert und liebenswert bleiben, wie sie es auch in der Vergangenheit für unsere Einwohner war. Von jung bis alt sind die zahlreichen Kultur-, Freizeit- und Sportangebote in Baunatal der gesellschaftliche „Kitt“, der unsere Stadt zusammenhält. Deshalb muss der mittlerweile entstandene Investitionsstau bei den Sportanlagen in unserer Stadt dringend abgebaut werden. Wir halten das für absolut notwendig und für eine Investition in unsere gesellschaftliche Stabilität in Baunatal.

Bündnis 90/DIE GRÜNEN: Wir als GRÜNE sehen unsere Aufgabe darin, den Baunataler Vereinen im Rahmen der städtischen Möglichkeiten und bedarfsgerecht insgesamt gute Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen für die Erfüllung der vielfältigen Aufgaben, die sie in unserer Stadt übernehmen. Darüber hinaus unterstützen wir gern im Rahmen unserer Möglichkeiten alle Bestrebungen durch Vernetzung, Kooperation und Kommunikation zwischen den Vereinen, um Synergieeffekte nutzbar zu machen, wie bereits bei gemeinsamen Treffen im vergangenen Jahr geschehen. Wir befürworten eine Dezentralisierung des Angebots öffentlicher Sportgelegenheiten, um auch die breite u. U. (noch) nicht im Verein organisierte Bevölkerung zu erreichen. Durch die öffentliche Sichtbarkeit des Sports erhoffen wir uns besonders, Kinder und Jugendliche über die integrative Wirkung des Sports zu erreichen. So können wir - mit Ihnen gemeinsam - dazu beitragen, mögliche Berührungsängste zwischen Bürger*innen und Vereinen abzubauen. 
In diesem Zusammenhang ist uns auch die gute Erreichbarkeit der Sportstätten ein Anliegen. Was mit dem PKW oft eine Selbstverständlichkeit ist, gestaltet sich zu Fuß, mit dem Rad, dem ÖPNV zuweilen noch schwierig. Besonders hier muss die gute und sichere Erreichbarkeit der Sportstätten gewährleistet sein, wenn sie für jedermann insbesondere Kinder und Jugendliche nutzbar sein sollen.

FDP: Jugendförderung, Rehasport und Seniorensport. Diese Bereiche werden in Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen. Wir sehen die Stadt hierbei in der Pflicht durch eine gezielte Förderung den Vereinen einen Auf- beziehungsweise Ausbau der betreffenden Angebote zu ermöglichen. Die Gemeinde initiiert/unterstützt, und die Vereine entwickeln langfristig weiter.

 

2. Welchen Stellenwert nimmt das Prädikat „Sportstadt“ für Ihre Fraktion ein? Welche soziale und wirtschaftliche Wertschöpfung für die Stadt Baunatal erkennen Sie im Sport?

SPD: Die Stadt Baunatal unterhält 54 eigene Sportstätten (u.a. Parkstadion, Max-Riegel-Halle), die mit ca. 2,4 Mio. € (2019) bezuschusst werden. Hinzu kommt der Betrieb der beiden Hallenbäder im AquaPark (Freizeit- und Sportbad), der ca. 3,5 Mio. € (2019) ausmacht, und die verschiedenen Gemeinschaftshäuser, die als Versammlungsstätten und teilweise ebenfalls für den Sport genutzt werden. Darüber hinaus gibt es in Baunatal eine ganze Reihe von vereinseigenen und privaten Sportstätten. Das Prädikat „Sportstadt“ hatte, hat und wird auch zukünftig einen sehr hohen Stellenwert für uns haben. Unsere Mitglieder sind vielfältig in den Vereinen vertreten, oft auch in Vorstandsfunktionen. Das Thema Sport ist daher ein ständiges Thema bei uns.
Die soziale Wertschöpfung von Sportvereinen ist unbezahlbar. Unsere Vereine fördern das Zusammenleben verschiedener gesellschaftlicher Gruppen, vermitteln Werte wie Kameradschaft, Teamgeist sowie Zusammenhalt und helfen der Stadtgesellschaft bei der Integration von Neubürger*innen.
Der Sport repräsentiert die Stadt Baunatal in vielfältiger Weise als Botschafter in der ganzen Welt. Durch die diversen Sportveranstaltungen der Vereine, die regelmäßig in Baunatal stattfinden, findet auch eine große wirtschaftliche Wertschöpfung für viele Wirtschaftsbetriebe (z.B. Hotels und Gastronomie) statt. Ergänzt werden die Vereinsangebote noch durch weitere privatwirtschaftliche Angebote im Sportbereich.

CDU: Das Prädikat „Sportstadt“ stellt zurzeit noch ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal unserer Stadt im Wettbewerb mit anderen Kommunen dar. Und wir sollten alles dafür tun, dass dies in Zukunft auch so bleibt. Denn gerade in Zeiten knapper Kassen ist es für Kommunen überlebenswichtig, ihre Ertragsbasis zu verbreitern. Dies gelingt nur durch Wachstum. Also durch den Zuzug junger Familien und die Ansiedlung neuer Gewerbe. Hierbei stehen wir als Stadt unmittelbar im Wettbewerb mit anderen Kommunen. Und anders als vor noch einigen Jahren steht bei diesem Wettbewerb um neue Einwohner bei diesen das Thema Work-Life-Balance ganz oben in der Prioritätenliste. Baunatal hat in den vergangenen Jahren also massiv von dem breiten Angebot der Sportvereine bei der Wahl als Wohnort für junge Familien profitiert. Wir müssen deshalb alles dafür tun dieses Alleinstellungsmerkmal unserer Stadt zu erhalten. Schaffen wir zusätzlich noch zügig bezahlbaren Wohnraum und neue Baugebiete für junge Familien, siedeln sich weitere Unternehmen an und die Stadt Baunatal profitiert auch langfristig von einer verbreiterten Ertragsbasis durch stabile und zukunftsfähige Haushalte. Politisch also ein klarer Handlungsauftrag, den wir dem Prädikat „Sportstadt“ zu verdanken haben.

Bündnis 90/DIE GRÜNEN: Das Prädikat “Sportstadt“ nimmt für unsere Fraktion einen sehr hohen Stellenwert ein. Mit Bedauern beobachten DIE GRÜNEN die Tendenz zum „Ausverkauf der Sportstadt Baunatal“, der von einer „tragischen Blindheit“ mancher handelnden Personen gegenüber der gesellschaftspolitischen Bedeutung des Sports zeugt.
Wir wissen um die besondere Bedeutung, die der Sport in unserer Gesellschaft hat. Sport verbindet Menschen unabhängig von Alter, Geschlecht, Herkunft oder Religion. Neben der Begeisterung für eine gemeinsame Sportart einen Sportler*innen gemeinsame Werte wie Fairness und gegenseitiger Respekt. Kinder lernen diese Werte beim Sport im Verein auf spielerische Weise von Grund auf. Der soziale Wert des Sports für unsere Gesellschaft steht daher außer Frage. “Sport, kombiniert mit Jugendarbeit, ist der Kitt der Gesellschaft!“, ist somit nicht nur eine Floskel.
Aus diesem Grund haben und werden wir keine Entscheidungen mittragen, die die Bedeutung des Sports und seinen Wert für unsere Stadt Baunatal herabsetzen. Faule Kompromisse wie jenem, dem im Sommer 2020 der Basketballplatz an der KSV-Sportwelt zum Opfer fiel, werden wir auch in Zukunft mit allen uns als Parlamentariern zur Verfügung stehenden Mitteln bekämpfen. Wenn man in der Verwaltung auch künftig „Burgfrieden“ durch die Befriedigung von Interessen Einzelner zulasten populärer Sportangebote, die insbesondere Kinder und Jugendliche nutzen, erreichen möchte, werden wir als GRÜNE dem entschieden entgegentreten. Besonders, wenn es auf dem Rücken der vermeintlich Unorganisierten und Schwachen geschieht. Die Anwohner wussten bereits bei Einzug, dass sie in unmittelbare Nähe einer existierenden Sportanlage ziehen.
Auch bekommt die Pflege des Prädikats „Sportstadt“ für Baunatal eine nicht unerhebliche wirtschaftliche Bedeutung. Die zahlreichen Sportereignisse der Vergangenheit haben Baunatal als Stadt in der Mitte Deutschlands bekannt gemacht und viele auswärtige Vereine und Verbände nutzen die hervorragende Sportinfrastruktur unserer Stadt für Trainingslager mit ihren Mannschaften. Davon profitiert unter anderem das lokale Hotel- und Gaststättengewerbe aber auch der Einzelhandel in unsere Stadt. Von jedem Euro, der so in unserer Stadt ausgegeben wird, profitiert somit direkt unsere lokale Wirtschaft. Auch aus diesem Grund ist uns die Pflege des Prädikats „Sportstadt“ ein wichtiges Anliegen. Den über Jahre aufgebauten überregional guten Ruf von Baunatal als Sportstadt sollten wir auch in diesen Zeiten nicht kurzfristig leichtfertig verspielen, denn die möglichen Folgen für die Stadt könnten sich langfristig auswirken.

FDP: Das Prädikat "Sportstadt" ist ein Alleinstellungsmerkmal Baunatals und trägt zur Lebensqualität signifikant bei, was langfristig auch über die Steuern der Bürger im Interesse der Stadt ist.

 

3. Auf welche Weise wird Ihre Fraktion zukünftig das Ehrenamt bzw. das bürgerschaftliche Engagement im Sport fördern? Bitte nennen Sie konkrete Maßnahmen.

SPD: Trotz knapper werdender finanzieller Mittel steht die SPD Baunatal für eine vielfältige Förderung der Vereine. Im Bereich des Sports ist Baunatal seit langem sehr erfolgreich. Damit die Sportstadt Baunatal auch in Zukunft lebt, bedarf es einer zielgerichteten Entwicklung auf Grundlage eines neuen Sportentwicklungsplanes.
Unabhängig davon werden wir uns auch weiterhin für eine kostenfreie Nutzung der Baunataler Sportstätten durch die Vereine einsetzen.
Für die tiefergehende Vernetzung der Sportler*innen untereinander sowie auch der Vereine im Bauna-Tal bietet die Digitalisierung neue Möglichkeiten und Chancen. Deshalb unterstützen wir nachdrücklich die gemeinsame Erarbeitung und Entwicklung von Konzepten im Digitalisierungsrat und haben die Bauna-App als ersten Schritt auf den Weg gebracht.
Durch die Berücksichtigung des Bewegungsbausteins in den pädagogischen Konzepten der Kindertagesstätten führen wir bereits die Jüngsten gezielt hin zu den sportlichen Angeboten der Vereine.
Die Vereinsförderstelle der Stadt Baunatal ist einzigartig in der gesamten Region und eine große Unterstützung für alle Vereine. Diese Stelle wollen wir in ihrer jetzigen Form erhalten und zukünftig bedarfsgerecht weiter ausbauen.

CDU: Nun ja, das hängt selbstverständlich auch vom Willen der Sportvereine ab. Entscheidend ist für uns dabei auch vorher eine klare Positionierung der Sportvereine.
Natürlich stehen bei der direkten Sportförderung für uns die Jugendsportförderung und die Inklusion an vorderster Stelle. Allerdings sehen wir auch deutlichen Förderbedarf im Gesundheits- und Rehasport. Weiterhin sind wir ein Verfechter der Ehrenamts-Card des Landes Hessen, welche in Baunatal bisher leider kaum unterstützt wird. Darüber hinaus sollten wir als städtischen Service die systematische Erschließung von Landes-, Bundes- und EU-Mitteln für Gesamt-, Einzel- und Dauerprojekte mal proaktiv angehen, d. h. nicht warten bis ein Verein selbst auf neue Fördermittel und Fördertöpfe aufmerksam wird, sondern als Stadt den Förderdschungel systematisch nach neuen Möglichkeiten durchforsten und dann den Vereinen entsprechende Informationen zuzuleiten, mit dem Ziel hierauf konkrete Angebote zu erstellen.
Bei der indirekten Sportförderung müssen jedoch irgendwann auch nachvollziehbare und gleiche Regelungen geschaffen werden, die eine Chancengleichheit zwischen den Sportvereinen und einzelnen Abteilungen herstellen.

Bündnis 90/DIE GRÜNEN: Viele Sportvereine und deren Abteilungen stellen fest, dass es immer schwieriger wird, z.B. für ihre Vorstandsarbeit Mitglieder zu finden, die bereit sind ihre Freizeit dafür zu „opfern“. Dem gilt es gegenzusteuern. Die Ehrenamtskarte des Landes Hessen, sollte mehr beworben und geschätzt werden. Am Programm sollte sich die Stadt Baunatal als Partnerkommune beteiligen, und ihren Ehrenamtlichen beratend zur Seite stehen. Damit wird den Ehrenamtlichen nicht nur symbolisch „Anerkennung“ für ihr Engagement im Dienste der Gesellschaft gezollt, sondern die sog. E-Card gewährt vielfältige Vergünstigungen bei Veranstaltungen, Eintritten u.a. in Kinos, Schwimmbädern, Theatern.
Daneben soll die Arbeit der Sportkommission aufgewertet werden. Bisher tagt die Kommission lediglich einmal pro Jahr, um die Ehrungen verdienter Sportler und Funktionäre zu besprechen und zu beschließen. Wir möchten regelmäßigere Termine, um die Expertise der dort anwesenden Vereinsvertreter besser zu nutzen. Der dabei stattfindende Diskurs kann der Verwaltung und der Politik helfen, fundiertere und zukunftsweisende Entscheidungen zu treffen.
Schließlich kann die Vergabe eines kommunalen “Ehrenamtspreises“ jährlich ausgelobt werden, an dem sich alle Baunataler Vereine beteiligen können. Kriterien dazu und die Höhe des Preisgeldes sollen vorher transparent zwischen Politik und Vereinen in der Sportkommission erörtert werden.

FDP: Aufgrund der oftmals nicht direkt sichtbaren positiven Auswirkungen des Ehrenamtes im Sport, wie zum Beispiel die Förderung der Integration, die sportorientierte Jugendsozialarbeit und die Gesundheitsvorsorge erachten wir es für notwendig den Wert dieser Arbeit in Form von Ehrungen hervorzuheben, sowie die regelmäßige Durchführung von Veranstaltungen, welche die Bandbreite des Ehrenamtes darstellen. Darüberhinaus bieten die sportbezogenen freiwilligen Leistungen der Stadt die notwendige Basis für dieses Ehrenamt (siehe Antwort auf die Frage 6).

 

4. Welche Erwartungen richtet Ihre Fraktion an die aktuell laufende Sportentwicklungsplanung? Werden die Ergebnisse, nach Ihrer Einschätzung, liefern?

SPD: Die Entwicklung der Sportstadt Baunatal hat immer auf einer mittel- und langfristigen Gesamtplanung beruht, in die die Vereine jederzeit eingebunden waren. Die offenen Ergebnisse des neuen Sportentwicklungsplanes werden die empirische Grundlage für die zukünftige Ausrichtung der Sportstadt Baunatal in allen sieben Stadtteilen bilden. Uns war es daher von Anfang wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger und die sporttreibenden Vereine eng bei der Erstellung mit einbezogen werden. Die Freizeitgestaltung der Menschen befindet sich in einem ständigen Umbruch. Daher erhoffen wir uns durch die Teilhabe und Partizipation möglichst „aller“ Sporttreibenden in der Stadt Baunatal eine Antwort auf die Sportfragen der Zukunft. Der Sportentwicklungsplan soll wertvolle Erkenntnisse für die Arbeit der Vereine liefern und Handlungsempfehlungen für deren zukünftige Entwicklung geben.

CDU: Ob sich hieraus jedoch dann konkrete Handlungsempfehlungen ergeben werden, bleibt abzuwarten. Denn vordergründig versucht dieses Verfahren primär zunächst die Bedürfnisse der Sporttreibenden in Baunatal zu erfassen. Da Bedürfnis und Bedarf leider nicht deckungsgleich sind, es muss also jemand nicht nur etwas prinzipiell gerne wollen, sondern dann auch wirklich bereit sein, es ständig zu machen, werden die Ergebnisse, zumindest in weiten Teilen, nicht zu konkreten Handlungsempfehlungen führen.
Wir dürfen deshalb auch eben nicht die anstehenden Herausforderungen, wie die Sanierung der Max-Riegel-Halle oder des Sportbades von dieser Datenerhebung abhängig machen!
Hier gibt es konkrete Nutzer. Der Bedarf ist also konkret gegeben und wir dürfen nicht weitere wertvolle Zeit verlieren, bis wir diese Nutzer selbst vergrault oder gar ganze Abteilungsstrukturen zerstört haben. Denn das ist vollkommen losgelöst von der Tatsache zu betrachten, ob manche Menschen vielleicht gerne zukünftig Onlinekurse besuchen würden.

Bündnis 90/DIE GRÜNEN: Wir GRÜNE hatten zum Haushalt 2020 die Fortschreibung der Sportentwicklungs- und Sportstättenentwicklungsplanung mit Haushaltsmitteln von 40.000 € beantragt. Nach einem (wie üblich) von der SPD gestellten Änderungsantrag wurden Mittel von 10.000 € beschlossen. Die endgültige Beauftragung der Planung erfolgte durch die Stadt an die Deutsche Berufsakademie in Großenritte letzlich mit einem Auftragsvolumen von ca. 30.000 € !!!
Wir erwarten nach den Bedarfserhebungen Aussagen über unsere städtischen Sportangebote und die Auslastung der Sportstätten, um eine Vision für die nächsten 10 bis 15 Jahre zu erhalten.
Die Ergebnisse sollen den politischen Entscheidungsträger*innen auch bei den Beratungen zu Sanierung, Erweiterung, sowie - orientiert an den Befunden des Sportentwicklungsplans - auch möglichen Neubauten und Schließungen von Sportanlagen helfen.
Wichtige Fragen sind für uns auch der demografische Wandel, gewachsene Vereinsstrukturen in den Stadtteilen und die Öffnung für die Baunataler Bevölkerung.

FDP: Unsere Erwartungen an den Sportentwicklungsplan sind hoch, da wir uns fundierte Antworten in den folgenden Feldern erwarten. Entwickelt sich der Sport von den Vereinen weg hin zu individuellen Sportarten? Welche Bevölkerungsgruppen werden in Zukunft die Sportstätten nachfragen und mit welcher Zielsetzung (Gesundheit, Freizeit oder Wettkampfsport)? Sollte der Sportentwicklungsplan tatsächlich die erwartete Qualität aufweisen, liefert er definitiv Handlungsempfehlungen für eine zielgerichtete Sportförderung.

 

5. Unabhängig von den Ergebnissen der Sportentwicklungsplanung – welche Relevanz sieht Ihre Fraktion im Erhalt des Sportbades und im Neubau der Max-Riegel-Halle? 

SPD: Aus der Sportentwicklungsplanung erwarten wir Antworten für die Zukunft aller Sportstätten in Baunatal. Wenn wir eine Sportstadt bleiben wollen, müssen wir die vorhandenen Ressourcen gezielt einsetzen, um die zukünftigen Bedürfnisse der Sporttreibenden in Baunatal bedarfsgerecht befriedigen zu können.

CDU: Größte Bedeutung. Beides sind hoch frequentierte Sportstätten mit hohen Nutzerzahlen. Bei beiden besteht dringender Handlungsbedarf. Eigentlich besteht dieser schon seit Jahren und die Stadt hat schon viel zu viel Zeit verloren, diese endlich zu sanieren. Das Ergebnis sind nur noch eingeschränkte Nutzbarkeit und frustrierte Abteilungen. Hier rächt sich die Tatsache, beide Sportstätten nicht bereits in Zeiten sehr guter Haushaltslage saniert zu haben.
Jedoch sehen wir momentan enormes Potenzial für Fördermittel von Bund und Land. Deshalb müssen beide Sportanlagen schnellstmöglich saniert, bzw. durch Neubauten ersetzt werden.

Bündnis 90/DIE GRÜNEN: Wir GRÜNE hatten bereits bei den ersten Beratungen im Februar 2020 eine Option für einen Sportbad-Neubau mit Prüfung von möglichen Zuschüssen vorgeschlagen.
Das von der damaligen Betriebsleitung der Stadtwerke vorgelegte Konzept für einen Parallelbetrieb im Freizeitbad war ökonomisch nicht sinnvoll und praktisch nicht machbar, zeugte von geringer Fachkompetenz und wurde deshalb von allen Fraktionen abgelehnt.
Im Juni 2020 wurde von uns GRÜNEN nach Rücksprache mit den Schwimmvereinen ein Anbau an das Freizeitbad von ca. 8 Mio. € und Fördermitteln mit bis zu 50 % vorgeschlagen. Von der Verwaltung wurde im Oktober 2020 dagegen ein Förderantrag für eine „Sanierung im Bestand“ mit Kosten von 13,5 Mio. € eingereicht. Diese Variante wurde jedoch bereits 2012 ermittelt und später in den Gremien nicht zur Beantragung freigegeben. Nach vorläufiger Kalkulation und unter Einbeziehung aller Werte ist ein Neubau die wirtschaftlichste Lösung mit Kosteneinsparungen von ca. 400.000€ pro Jahr gegenüber einer Sanierung.
Die Planung und Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen für ca. 550.000 € (Brandschutz- und Schadstoffsanierung) der Max-Riegel-Halle mit Sperrung der Halle ist, vorsichtig formuliert, bisher nicht gut gelaufen. Bereits bei der Gefahrenverhütungsschau im Dezember 2018 wurden Brandschutzmängel festgestellt. Ein Neubau von ca. 8 Mio. € wurde aufgrund der Finanzlage damals zurückgestellt. Hier gilt es schnellstens zu beraten, wie es weitergehen kann.

FDP: Ziel unserer Fraktion ist es eindeutig, die finanzielle Unterstützung zum Nutzen möglichst vieler Sportler einzusetzen; daher erscheint ein Neubau der Max-Riegel-Halle auf absehbare Zeit kaum möglich zu sein. Der Erhalt des Sportbades ist Teil der aktuellen politischen Diskussion und ist von den Ergebnissen des momentanen Planungsverfahrens (Fördermittel, Gesamtkosten) abhängig. Deutlich ausgedrückt hängt es von der finanziellen Beteiligung der Vereine ab, was umsetzbar ist. 

 

6. Hält Ihre Fraktion zum gegenwärtigen Zeitpunkt eine weitere Kürzung der sportbezogenen, freiwilligen Leistungen der Stadt Baunatal (z.B. Sportfördermittel, Zuschüsse für langlebige Sportgeräte, Dienstleistungen) für notwendig und wenn ja, in welchen Bereichen?

SPD: Wir werden weiterhin im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten der Stadt die Sportvereine mit Fördermitteln, Zuschüssen und unterstützenden Dienstleistungen fördern. Dies gilt auch für alle Vereine in den Bereichen Kultur und Soziales. Wir befinden uns aber aufgrund der aktuellen Haushaltslage in einem ständigen Veränderungsprozess, dem wir uns als Kommunalpolitiker mit Verantwortung für die gesamte Stadtgesellschaft stellen werden. Es geht dabei um nicht weniger als den Zusammenhalt in unserer Stadt.

CDU: In jedem Falle muss sich die bisherige Form ändern. Wir müssen aufgrund der aktuellen Haushaltslage zu einer Einzelfallförderung kommen, d. h. „Scharfschützenprinzip statt Schrotflinte“. Auch möchten wir zukünftig Sportabteilungen dafür belohnen, wenn sie der Stadt helfen, Verbrauchskosten (Strom, Wasser, Wärme) einzusparen.
Das hat insgesamt drei positive Effekte. Erstens hilft es uns allen, wenn wir etwas ökologischer handeln. Zweitens entlastet es strukturell den städtischen Haushalt. Und drittens wird die Verteilung der Fördermittel fairer, weil jede Abteilung damit für ihre eigene Leistung unmittelbar belohnt wird.

Bündnis 90/DIE GRÜNEN: Der Städtische Haushalt für das Jahr 2021 wird dem Stadtparlament – aus vorgeschobenen und vermutlich aus wahltaktischen Gründen – erst nach der Kommunalwahl vorgelegt. Leider hat die SPD-Mehrheit zusätzlich das Anliegen der drei Oppositionsfraktionen in der Stadtverordnetenversammlung auf rechtzeitiges Einbringen des Haushalts mehrfach verhindert. Darüber sind DIE GRÜNEN sehr verärgert, da den Bürgerinnen und Bürgern frühzeitig ‚reiner Wein eingeschenkt‘ werden müsste. Wahrscheinlich macht die gegenwärtige finanzielle Situation der Stadt Kürzungen in einigen Bereichen erforderlich, in denen es um freiwillige Leistungen der Stadt Baunatal geht.
DIE GRÜNEN setzen auf Transparenz und Beteiligung/Mitbestimmung der Vereine, wenn diese Posten vor Verabschiedung des städtischen Haushalts beraten werden. Diese wissen aus ihren Erfahrungen am besten, an welchen Stellen Schwerpunkte liegen oder gegebenenfalls Einsparungen möglich sind. DIE GRÜNEN bieten Gespräche an und gehen davon aus, dass sich in guter Kooperation Lösungen finden lassen, die von den Vereinen akzeptiert und mitgetragen werden und im Endeffekt das sportliche Angebot im Ganzen nicht schmälern.

FDP: Eine Sportstadt, die nichts kostet, stellt eine Chimäre dar und wird es auch mit der FDP nicht geben. Wir wünschen uns natürlich die Hebung von Einsparpotentialen. Ganz konkret sehen wir es als dringend notwendig an, dass beide Seiten ihre langfristige finanzielle Leistungsfähigkeit offenlegen. Wir sehen hier vor allem im Bereich des Ewachsenensports die Möglichkeit für Einsparungen.

 

7. Welche Erwartungen und Wünsche richtet Ihre Fraktion an den KSV Baunatal, hinsichtlich dessen zukünftigen Leistungen und Angebote für die Baunataler Stadtgesellschaft?

SPD: Wir erwarten und wünschen, dass die Baunataler Vereine an das anknüpfen, was sie in den letzten Jahrzehnten ausgezeichnet hat. Dazu gehört in erster Linie die Fortführung der gelebten Solidarität in der gesamten Vereinsfamilie. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Zusammenrücken in den Sanierungsphasen der einzelnen Sporthallen in der jüngsten Vergangenheit. Dies funktioniert nur so gut, wie die geübte Praxis des gemeinsamen Dialogs zwischen Vereinen, Politik und Verwaltung auch von allen Seiten lebendig fortgeführt wird. Diese Dialoge sind dabei niemals eine Einbahnstraße.
Weitere Wünsche sind die Förderung des Gemeinsinns, die Integration von Neubürger*innen und Antworten auf die Zunahme des Individualsports im Bereich der sporttreibenden Bevölkerung. Wichtig ist uns auch, dass die regionale Zusammenarbeit der Vereine auch über Baunatal hinaus weiter ausgebaut wird.
Wir laden die Vereine bereits heute ausdrücklich ein, zukünftig im Rahmen unserer Haushaltsberatungen ihre Vorstellungen zur Zukunft des Sports in Baunatal vorzutragen.

CDU: Wir möchten den KSV herzlich darum bitten, das Thema Inklusion weiter über alle Abteilungen hinweg voranzutreiben und weiterhin Spitzen- und Breitensport gleichermaßen anzubieten.
Bei weiteren Veränderungen würden wir uns sehr freuen, im guten Dialog miteinander zu bleiben.

Bündnis 90/DIE GRÜNEN: DIE GRÜNEN wünschen sich einen konstruktiven Dialog mit dem KSV Baunatal sowie zwischen dem KSV und anderen Vereinen, um Leistungen/Angebote zu vernetzen und bedarfsgerecht zu optimieren. DIE GRÜNEN setzen auf Beteiligung! Es wäre wünschenswert, wenn der KSV der Stadt Angebote machen würde, die zeigen, an welchen Stellen Einsparungen möglich sind (z.B. Energieeinsparung, Personaleinsparung durch Eigenleistungen der Vereine, sorgfältiger und verantwortlicher Umgang bei der Nutzung der Sportstätten), damit Einschränkungen oder Sparmaßnahmen ‚von Oben‘ obsolet sind. In der „Nach-CORONA Zeit“ freuen wir uns schon jetzt, das breite Sportangebot des KSV wieder voll nutzen zu können.
Wir wünschen dem KSV Baunatal als größtem nordhessischen Sportverein, seinen Abteilungen und seinen Haupt- und Ehrenamtlichen alles Gute für die Zukunft. „Daumen hoch“ für die Zeit nach der Pandemie!

FDP: Wir erwarten von den Vereinen das Aufstellen einer Prioritätenliste hinsichtlich des Bedarfs an Sportstätten (Bau und Sanierung). Wir wünschen uns, dass die Vereine ihre Expertise bezüglich des kostengünstigen Betriebs von Sportstätten und  möglicher Synergien zwischen geförderten und kommerziellen Sportangeboten einbringen.