KSV Baunatal e.V. Abteilungen Kunstradsport Kunstradfahren   Pressemeldungen als RSS-Feed abonnieren  

Kunstradfahren -- Was ist das??

Was ist das?

Unter Kunstradfahren kann man sich Akrobatik auf und mit dem Rad vorstellen. Es wird auf speziellen Rädern gefahren, die keine Bremse, kein Licht und keine Gangschaltung besitzen. Natürlich findet das ganze in einer geeigneten Turnhalle statt. Mann/Frau kann auf einem oder zwei Reifen, vorwärts oder rückwärts, mit oder ohne Hände am Lenker fahren. Man hat allerlei Möglichkeiten, wo man seine Füsse hinstellen kann (Dornen, Rahmen, Sattel, Lenker, etc.). Fahren kann man alleine oder zu zweit auf einem Rad, zu viert oder zu sechst auf 4 bzw. 6 Kunsträdern.

Kleidung

Die Bekleidung ist ganz simpel. T-Shirt, Gymnastikhose für guten Halt auf dem Sattel, und Geräteschuhe damit der Tastsinn der Füsse erhalten bleibt.

Kunstrad

Das Rad besteht aus Rahmen, zwei Rädern, Pedalen, Sattel und Lenker. Es besitzt weder Licht noch Bremsen oder Gangschaltung.

oder

 

Halle

Die Halle sollte einen ebenen, harten Boden aufweisen. Im Idealfall einen flächenelastischen Parkettboden. Dieser bietet neben guten Rolleigenschaften eine gewisse Elastizität bei Stürzen und ist zudem auch widerstandsfähig gegen Beschädigungen.

Die Fahrfläche umfasst 11x14 Meter und enthält um den Mittelpunkt zwei Kreise mit 4 und 8 Meter Durchmesser.

1er Kunstradfahren

Mann/Frau fährt 28 Übungen aus einem gegebenen Reglement. Es gibt 270 verschiedene Arten das Rad fortzubewegen, zu drehen oder stillzustehen. Das Programm wird mit Begleitmusik innerhalb von sechs Minuten gefahren.

2er Kunstradfahren

Hier besteht ein Programm aus zwei Teilen. Der erste Teil erfolgt zu zweit auf zwei Rädern, der zweite Teil zu zweit auf einem Rad. Beide Teile bestehen aus je 11 Übungen und die Ausführung erfolgt ebenfalls innerhalb sechs Minuten.

4er Mannschaftsfahren

Beim Mannschaftsfahren gibt es zwei grundsätzliche Stellungen: Niederrad (auf zwei Rädern) und Steiger (auf dem Hinterrad). Die Vielfalt der Übungen erfolgt hier aus den vielen Möglichkeiten, wie sich die vier FahrerInnen formieren können. So zum Beispiel als Ring, Mühle oder Stirnreihe. Beinahe alle Übungen können auch rückwärts gefahren werden. Ein Programm umfasst hier 25 Übungen und wird in sechs Minuten vorgeführt.

6er Mannschaftsfahren

Die Grundzüge sind gleich wie beim 4er Mannschaftsfahren. Zwei weitere Personen sorgen aber für noch mehr Möglichkeiten, gesamthaft 630 Übungen, und engere Platzverhältnisse.

Wettkämpfe finden auf regionaler Ebene (Vorbereitungs- und Qualifikationswettkämpfe), auf nationaler Ebene (Cup über 3 Runden, Schweizer Meisterschaft) und auf internationaler Ebene (Länderkämpfe, Junioren-EM, Weltmeisterschaften) statt.

Wertung

Jede Übung besitzt eine festgelegte Punktzahl, die sogenannte Wertungsziffer. Diese reicht je nach Schwierigkeit von 1.0 bis 9.8 Punkten. Wird zu der Summe aller Wertungsziffern in einem Programm die Grundpunktzahl von 200 Pkt. dazugezählt, erhält man die Eingereichte Punktzahl. Diese bestimmt die Startreihenfolge und von ihr wird abgezogen.

Die Abzüge werden unterteilt in Ausführung, d.h. die Schönheit der Darbietung, und in Schwierigkeit, d.h. Korrektheit der Darbietung. So wird für eine Unsicherheit 0.5 Pkt. (Ausführung) und für das Fehlen einer halben Runde 50% der Wertungsziffer der entsprechenden Übung (Schwierigkeit) abgezogen.

Zieht man sämtliche Abzüge von der Eingereichten Punktzahl ab, so erhält man die Ausgefahrene Punktzahl. Diese ist das eigentliche Resultat, das für die Rangierung massgebend ist.

Kampfgericht

Das Kampfgericht setzt sich zusammen aus einem Obmann, einem Zeitnehmer und zwei oder drei Kampfrichtergruppen. Diese Gruppen sind Zweierteams von Kampfrichtern, jeweils einem Ansager und einem Schreiber.

Was ist Kunstradfahren?

Aus verschiedenen Überlieferungen geht hervor, daß bereits vor der Jahrhundertwende Kunstradsport in den USA von Radakrobaten wie Nikolas Edward-Kaufmann und John Featherly mit dieser Sportart ihren Lebensunterhalt bestritten haben. Aus den Informationen geht auch hervor, daß die beiden die Urheber des ersten Radballspiels am 14.09.1893 in Rodchester in den USA waren.

Die geographischen Schwerpunkte der Sportart sind in erster Linie im deutschsprachigen Europa wie Deutschland, Schweiz, Österreich, Belgien, Frankreich und großen Teilen Tschechiens zu finden. Allerdings hat gerade in den letzte Jahren der ostasiatische Raum mit den Nationen Japan, China, Hongkong, Makao, Malaysia etc. nachgezogen. Gerade in dieser Region scheint sich insgesamt der Hallenradsport stärker zu entwickeln als in Europa.

Kunstradfahren ist eine sehr ästhetische Sportart, vergleichbar mit Eiskunstlauf oder Kunstturnen. Die Sportler entwickeln dabei Fähigkeiten wie Geschicklichkeit, Gleichgewicht, Gewandtheit, Konzentration und Mut.

In einer 6-Minuten-Kür wird den Zuschauern und Kampfrichtern ein breites Spektrum von verschiedenen Übungen auf dem Rad dargeboten. Wettkämpfe werden auf der Grundlage eines weltweit gültigen Reglements durchgeführt. Höhepunkt einer Saison bildet alljährlich die Weltmeisterschaft.
Wertungsrichtlinien Kunstradfahren

Fahrfläche:

Länge: 14,0 m

Innenkreis: 0,5 m

Außenkreis: 8,0 m

Breite: 11,0 m

Mittelkreis: 4,0 m

Viertelkreisteilung: 0,5 m

Die Wettkampfregeln sind in einem weltweit gültigen Reglement festgeschrieben. Dieses Regelbuch nennt für jede Wettkampfdisziplin - Einer-, Zweier-, Vierer- und Sechser-Kunstradfahren - jeweils 150 bis 200 verschiedene Übungen. Aus diesem festgelegten Repertoire stellt der Sportler seine Kür mit einer festgelegten Anzahl von Übungen zusammen und kann zudem seine Begleitmusik frei wählen.

Die maximale Zahl von Übungen umfasst im Einer 28 Übungen, im Zweier 22 Übungen (11 Übungen auf einem Rad und 11 Übungen auf zwei Rädern), im Vierer und Sechser 25 Übungen.

Je nach Schwierigkeitsgrad erhält man für jede Figur eine bestimmte Punktzahl, die im Fachjargon als Wertungsziffer bezeichnet wird. In der Addition der einzelnen Programmteile ergibt sich somit eine Schwierigkeitspunktzahl, die über die Starreihenfolge bei Wettbewerben entscheidet.

Beispiel: Grundpunktzahl für alle Sportler 200,00 Punkte

Schwierigkeitspunktzahl + 135,00 Punkte

Aufgestellte Gesamtpunkte = 335,00 Punkte

Der Fahrer mit der höchsten aufgestellten Gesamtpunktzahl geht zuletzt an den Start. Die Bewertung wird getrennt in Ausführung, in Form der Darbietung und Schwierigkeit.

Punktabzüge bei der Ausführung entstehen bei:

(0,2 Punkte)
Nicht flüssiger Fahrweise, schlechter Körperhaltung, Überfahren der Flächenbegrenzung oder 4 m Kreislinie nach Innen (0,5 Punkte)
Kurzes Berühren des Bodens (Tipper), Anfassen und wieder Loslassen des Lenkers oder Rades bei freihändigen Übungen, Abstützen am Lenker bei Drehsprüngen oder Hocken (1,0 Punkte)
Sturz (2,0 Punkte)
Punktabzüge bei der Schwierigkeit entstehen,

wenn bei einer Übung nicht die vollständige Strecke in Form einer Runde (kompletter Kreis) oder einer Wechselrunde ( Form einer Acht) zurückgelegt worden ist,
wenn das Sechs-Minuten-Limit überschritten wird,
wenn in der Reihenfolge des aufgestellten Programms Übungen ausgelassen werden.
Das Endresultat der Wettbewerbe ergibt sich, wenn von der aufgestellten Gesamtpunktzahl die Summe aller Fahrfehler abgezogen wurde.

Infos zum Kunstradsport

In den Disziplinen 1er und 2er Kunstradsport der Männer bzw. Frauen werden Weltmeistertitel und im Juniorenbereich Europameistertitel vergeben. Darüber hinaus werden in Deutschland, der absoluten qualitativen und quantitativen Hochburg des Kunstradsports, nationale Meisterschaften im 4er und 6er Kunstradfahren der Männer und Frauen bzw. im 4er und 6er Einradfahren der Männer und Frauen ausgetragen. Die Meisterschaften werden auf Kreis-, Bezirks-, Landes- und Bundesebene , in den Kategorien Elite (Männer und Frauen), Junioren/Jugend (männlich/weiblich) sowie Schüler und Schülerinnen ausgetragen.

In ca. 1.500 Vereinen sind zur Zeit etwa 10.000 Hallenradsportler (Kunstradsport und Radball/Radpolo) lizensiert und nehmen aktiv am Wettkampfbetrieb teil. An den jährlich stattfindenden Weltmeisterschaften, die u.a. 1993 in Hongkong und 1996 in Malaysia stattfanden, nehmen jeweils zwischen 20 und 25 Nationen teil. Sportlich beherrschen die deutschen Hallenradsportler die Szene komplett. Seit 1964 konnten sie bei den Weltmeisterschaften nicht weniger als 101 Gold-, 87 Silber- und 28 Bronzemedaillen gewinnen. Die Erfolgsquote möglicher Medaillen liegt dabei weit über 90%.

Das Training

Das günstigste Einstiegsalter für das Kunstradfahren liegt etwa bei 6-7 Jahren. Zwischen 6 und 12 Jahren steht das Grundlagentraining im Mittelpunkt der Ausbildung. Schwerpunkte: Koordinationstraining, zunächst allgemein später spezielles Koordinationstraining. In diesem Altersabschnitt liegt die sensible Phase für die koordinative Schulung, daher wird hier in erster Linie die koordinative Fähigkeit geschult. Darüber hinaus erfolgt auch ein altersgemäßes Technik- und Konditionstraining. Zwischen 13 und 16 Jahren erfolgt das Aufbautraining mit den Schwerpunkten, Verbesserung der speziellen Koordination, der speziellen Beweglichkeit, Intensivierung des Techniktrainings, allgemeines und spezielles Kraftraining, Spezialisierung für 1er oder 2er Kunstradsport. Der Trainingsaufwand beträgt 4 Trainingseinheiten pro Woche jeweils 2-3 Stunden.

Zwischen dem 15. und 16. Lebensjahr beginnt das Leistungstraining, Schwerpunkte sind hierbei komplexes Techniktraining, gezieltes Kraft- und Ausdauertraining sowie mentales Training, Intensivierung des Trainings und Erhöhung der Wettkampfhäufigkeit. Der Trainingsaufwand beläuft sich dann zwischen 4 und 5 Trainingseinheiten pro Woche jeweils ca. 3-4 Stunden. Ab 17 Jahren erhöht sich dann der Trainingsaufwand nochmals entscheidend, insbesondere wird auch die Wettkampfhäufigkeit angehoben.

Kultur- und Sportverein Baunatal e.V.  •  Altenritter Straße 37  •  34225 Baunatal   •  Telefon (0561) 493553  •   Telefax (0561) 9491081