Marathon - Pressemeldung

30.06.15  |  Marathon  |  geschrieben von Heiko Rammenstein

Städtepartnerschaft laufend bekräftigt: Marathonis absolvierten Staffellauf von Baunatal nach Sangerhausen

Am 26. und 27. Juni bewältigten Läuferinnen und Läufer der Marathonabteilung die 173 Kilometer von Baunatal zur Partnerstadt Sangerhausen in Sachsen-Anhalt per pedes, und zwar als Staffellauf, der allen Beteiligten die Möglichkeit gab, sich etappenweise einzubringen. Die Strecke wurde unterteilt in 17 Etappen, von denen die längste 15 und die kürzeste 6,5 Kilometer lang war. Die einzelnen Teilstücke wurden in wechselnder Besetzung von mindestens zwei Marathonis absolviert. Eine Gruppe von Radfahrern in wechselnder Besetzung eskortierte die Läufer.

Rückblende: Es war im März 2014, als eine kleine Gruppe der Marathonabteilung ein Wochenende auf der Nordseeinsel Sylt verbrachte, um dort am 33. Syltlauf teilzunehmen. Bei der Gelegenheit wurde darüber sinniert, ob man nicht von Baunatal zur Partnerstadt Sangerhausen laufen könne. Radtouren zwischen beiden Städten hätten schon stattgefunden, aber unser Metier sei nun einmal das Laufen.

Die Idee geriet wieder in Vergessenheit, bis sie Anfang dieses Jahres erneut aufgegriffen wurde. Könnte man einen besseren Zeitpunkt für diese Aktion wählen als das 25jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft und das 40. Sangerhäuser Berg- und Rosenfest Ende Juni? Im Januar wurde ein achtköpfiges Organisationsteam gegründet. Ein erster Streckenentwurf wurde schnell entwickelt. Thomas fertigte daraus Etappenpläne mit Einteilungen der Läufer und Roadbooks für die Begleitbusse an, nahm Kontakt zur Stadtverwaltung Baunatal auf, die das Vorhaben im zuständigen Fachbereich unterstützte und holte die Laufgruppe des ASV Sangerhausen mit ins Boot, um auch auf sportlicher Ebene das Projekt „Partnerstadtlauf“ zu verwirklichen. Die Strecke wurde vorab in einigen Etappen mit Fahrrädern erkundet. Dazu wurden die Fahrräder mit Autos zu diversen Etappenorten transportiert. Ohne die gute Vorbereitung wäre der Partnerstadtlauf nicht zustandegekommen.

Schon in unserem Newsletter vom 10.02. wurde das Projekt für den 26. und 27. Juni angekündigt, für das Thomas beim Neujahrsempfang am 21.02. Werbung machte. Mit zunehmender Dauer wurden die Pläne immer konkreter. Mehrfach traf sich das Orgateam und verständigte sich ansonsten über eine Anfang Februar eingerichtete WhatsApp-Gruppe. Sabine reservierte Plätze in zwei Hotels zwecks Übernachtung auf halber Strecke, von denen man sich letztendlich für eines entschied. Gänzlich ungewiss war die zu bewältigende Strecke, zumindest was den Thüringer und den Sachsen-Anhalter Teil anging. Daher wurden ab Mai mehrere Erkundungstouren auf Teiletappen unternommen: Die Strecken Baunatal – Bornhagen, Bornhagen – Heiligenstadt, Heiligenstadt – Worbis und Worbis – Heringen wurden bei vier Radausflügen ausgekundschaftet. Mehr als drei Viertel der Gesamtstrecke waren damit abgedeckt. Um jegliche Zweifel auszuräumen, startete Heiko, der für den Streckenplan verantwortlich war und keine Unwägbarkeiten zulassen wollte, am Morgen des 8. Juni mit dem Zug nach Sangerhausen, um von dort die Heimreise mit dem Fahrrad anzutreten. Nach seiner Rückkehr ließ er die gewonnen Erkenntnisse in einen letztmalig überarbeiteten Streckenplan einfließen.

Auf unserer Homepage wurde eine eigene Rubrik „Partnerstadtlauf“ eingerichtet, und die Baunataler Nachrichten hatten schon mehrmals Hinweise auf das Projekt veröffentlicht. Nach einem Interview mit einer Journalistin kündigte es auch die HNA an.

Die Vorfreude auf das Ereignis wuchs, das merkte man bei zwei Treffen aller Interessierten im VIP-Raum des Parkstadions im Juni. Auch das Orgateam war heiß auf die Veranstaltung. Allerletzte Vorkehrungen wurden getroffen. Am Vortag holten Udo und Thomas die zwei Kleinbusse, die uns die Stadtverwaltung Baunatal zur Verfügung stellte, vom Second Home ab, reinigten sie und montierten Fahrradträger an die Heckklappen. Denn nicht nur Läufer würden zwischen Baunatal und Sangerhausen unterwegs sein, sondern auch Fahrradfahrer, und während des Ausflugs würden einige die Art der Fortbewegung wechseln.

Am 26. Juni war es dann soweit. Wir trafen uns um Viertel nach neun an der KSV Sportwelt und beluden die Busse mit unserem Gepäck, Fahrrädern und Getränken. Monika Giese sorgte mit ihrem Partyservice für die nötigen Zwischenmahlzeiten. Anschließend liefen wir hinüber zum Europaplatz, wo wir vom Stadtrat Hans Mouillet in einer kurzen Ansprache verabschiedet wurden. Er bezeichnete den Lauf als einen wichtigen Meilenstein in der Beziehung zwischen den beiden Partnerstädten. Für die Presse wurden noch Fotos gemacht, Auch Timo Gerhold, geschäftsführender Vorstand des KSV Baunatal, Präsidiumsmitglied Peter Jungermann sowie Rahel Krause, Fachbereichsleiterin der Stadtverwaltung Baunatal, waren erschienen. Letztere versorgte uns mit zusätzlichen Getränkekisten, und dann wurde endlich gestartet!
 

Etappe 1: Baunatal – Seglergaststätte 10,2 km

In unseren roten KSV-Shirts gaben wir ein einheitliches Bild ab, als wir uns um Punkt zehn Uhr in Bewegung setzten: 13 Läufer und 6 Fahrradfahrer machten sich auf den Weg. Ute konnte auf ein Testfahrrad der Firma Steppenwolf zurückgreifen, eigens für die Tour zur Verfügung gestellt. Es wurde vom größten Sangerhäuser Arbeitgeber, der MIFA (Mitteldeutsche Fahrradwerke AG), produziert. Eine besondere Funktion hatten die ständigen Radbegleiterinnen Bettina und Christa. Ihre am Lenker montierten mobilen Navigationsgeräte waren mit den Streckendaten versehen. Dadurch war garantiert, dass sich niemand verlief. Es war trocken und noch nicht zu warm. Sommerliche Schwüle stellte sich erst später ein. Nach einem kurzen Zwischenstopp auf dem Parkplatz beim Hotel Baunataler Hof stiegen einige Läufer, die erst später zu ihren vollen Einsätzen kommen würden, in die Busse ein. Die Navigationsgeräte der Busse waren ebenfalls mit den Streckendaten gefüttert worden. Die Aufgabe der Busfahrer war es, die Wechselpunkte anzusteuern. Erster Wechselpunkt war die Seglergaststätte in der Kasseler Fuldaaue, die nach einer etwa einstündigen Tour 9 Läufer erreichten, und zwar Anette, Kerstin, Angelika, Lena, Monika, Robert, Michael, Roman und Dirk. Wo auch immer der in KSV-rot gekleidete Tross auftauchte, sorgte er für Erstaunen bei Passanten, Autofahrern und anderen Fahrradfahrern.

Altenbauna Europaplatz – Oberzwehren – Märchenviertel Niederzwehren – Grunnelbach – Fuldaradweg – Damaschkebrücke – Fuldaaue – Seglergaststätte
 

Etappe 2: Seglergaststätte – Parkplatz Steinertsee 10,2 km

Roman und Dirk verließen uns, weil sie terminliche Verpflichtungen hatten. Andere machten Pause, um in späteren Etappen erneut einzusteigen. Anette und Kerstin, einmal in Bewegung, liefen gleich eine Doppeletappe und wurden begleitet von Bernhard. Mehrere rote Ampeln stoppten die Läufer und Fahrradfahrer kurzzeitig, von denen diejenige am Autobahnzubringer Kassel-Ost sie am längsten aufhielt.
 
Seglergaststätte – Fuldaauer – Wahlebach – Forstfeld – Leipziger Straße – Losseradweg – Autobahnzubringer Kassel-Ost – Niederkaufungen – Parkplatz Steinertsee
 

Etappe 3: Parkplatz Steinertsee – Umschwang 15 km

 
Bei der Tour de France bezeichnet man das schwerste Teilstück, also die mit dem größten Höhenprofil, als Königsetappe. Übertragen auf den Partnerstädtelauf, galt dieses Attribut für Etappe 3, die mit 15 Kilometern zugleich die längste Einzeletappe war. Dabei lag der niedrigste Punkt am Parkplatz (191 m NN) 341 Höhenmeter unterhalb des höchsten (532 m NN), dem höchsten Punkt der Tour. Tim, eben noch mit dem Fahrrad unterwegs, und Heiko nahmen sich dieser Aufgabe an. Bis zur Königsalm hatten sie schon einige Höhenmeter hinter sich. Die Radfahrer, die nach einem Rückstand wieder aufschlossen, berichteten von einem „Zeckenweg“, den sie soeben durchfahren hätten. Sie mussten von dem planmäßigen Weg abgewichen sein, denn Tim und Heiko blieben von mit hohem Gras bewachsenen Wegen verschont. Der Anstieg durch den Kaufunger Wald wand sich kilometerweit, Kurve um Kurve, hinauf. Geplagt von Mücken und Fliegen, von denen sie in der wärmenden Sonne umschwirrt wurden, waren sie froh, als sie den höchsten Punkt erreichten. Bis zum Wechselpunkt konnten sie sich zweieinhalb Kilometer auf einem leicht abschüssigen Waldweg erholen, bevor ein kleiner Trampelpfad sie zum Parkplatz Jägerborn am Umschwang führte.
 
Parkplatz Steinertsee – Königsalm – Nieste – Wanderparkplatz Gläsnertal – Endschlagsiedlung – Kaufunger Wald – Oskar-Miller-Eiche – Umschwang
 

Etappe 4: Umschwang – Witzenhausen 10 km

 
Steil abschüssige Serpentinen, die die Bremsen der Fahrräder auf eine harte Probe stellten, bestimmten den ersten Teil der Etappe 4. Gleich 8 Läufer stürzten sich diesen Schotterweg hinunter (Angelika, Sabine, Monika, Michael, Thomas, Jörg, Udo und Robert), während Tim wieder aufs Fahrrad umstieg. Dieser Steilweg verkürzte den ursprünglich geplanten Weg bis zum Kleinalmeröder Sportplatz, verglichen mit dem weitaus längeren, der beim Bilsteinmarathon in umgekehrter Richtung genommen wurde, um die Hälfte. Nächstes Zwischenziel nach Kleinalmerode war der bewaldete Rodeberg, ebenfalls vom Bilsteinmarathon bekannt. In Witzenhausen angelangt, war es mittlerweile so warm und drückend, dass Läufer wie Radfahrer hinterher Unmengen trinken mussten.

Umschwang – Sportplatz Kleinalmerode – Kleinalmerode – Rodeberg – Witzenhausen Parkplatz Bohlenbrücke


 

 Etappe 5 Witzenhausen – Bornhagen 8,4 km

 
Nach einer kurzen Trinkpause lief Udo gleich weiter. Zu ihm gesellte sich Heiko. Auf einem Radweg liefen sie um einen Werrabogen herum und durchquerten das Dorf Unterrieden. Als sie am östlichen Dorfrand die B27-Brücke unterquerten, waren Bauarbeiter mit Sanierungsarbeiten beschäftigt. Ein Baugerüst stand mitten unter der Brücke, das glücklicherweise genug Platz zum Hindurchlaufen bot. Für Heiko, der sich nach längerer Pause im Trainingsrückstand befand, war die Erholungsphase seit dem Erreichen des Umschwangs nicht lange genug. Kurzerhand bot Ute, selbst nach einer Operation an der Achillesferse längere Zeit außer Gefecht gewesen und noch nicht im Training, ihm das Testfahrrad an und lief an seiner Stelle. Glücklicherweise tauchte zur selben Zeit einer der Busse auf, und das Fahrrad wurde darauf verladen. Eine Herausforderung war die Steigung am Bebenroth-Tunnel, die Ute und Udo aber bravourös meisterten. Derweil sie noch auf der Strecke waren, schlürfte die Busbesatzung am Etappenziel Klausenhof Milchkaffee oder Eis.

Witzenhausen Parkplatz Bohlenbrücke – Unterrieden – Bebenroth-Tunnel – Bornhagen Klausenhof


 

 Etappe 6: Bornhagen – Uder 12,8 km

 
Angelika, Thomas und Jörg S. nahmen diese komplett durch das Thüringer Eichsfeld verlaufende Etappe in Angriff. Die ersten acht Kilometer bis zum Leinetalradweg hatten einen giftigen Anstieg und einige nicht ganz leichte, weil geschotterte Passagen. Jörg S., der monatelang nicht gelaufen war, bewegte sich schon am Fuße des Anstiegs humpelnd fort. Angelika, die in ihrem Elan kaum zu bremsen war, wurde es schon ganz kribbelig in den Füßen. Eine Unterbrechung kam ihr gänzlich ungelegen. Also lief Thomas mit ihr weiter. Christa fuhr mit dem Fahrrad nebenher, denn das war bekannterweise mit einem mobilen Navigationsgerät ausgestattet. Unterdessen tauschten Jörg und Tim die Rollen: Tim lieh Jörg sein Fahrrad und setzte seinerseits dessen Laufabschnitt fort. Bettina, die den Berg schon radelnd erklommen hatte, kümmerte sich als Navigatorin um die Nachzügler. Es waren die letzten wirklich anstrengenden Passagen des ersten Tages. Die letzten 4,5 Kilometer entlang des Radweges waren schön flach und problemlos zu meistern. Nur hatte Tim gar nicht damit gerechnet, noch so weit laufen zu müssen, und Bettina wagte kaum, die auf dem Radwegeschild abgelesene Restdistanz bis Uder auszusprechen. Tim glaubte an einen schlechten Scherz, brachte aber auch diese Entfernung gut gelaunt hinter sich, um anschließend wieder auf das Rad aufzusteigen.
 
Bornhagen Klausenhof – Oberstein – Rumerode – Leinetalradweg – Schönau – Uder
 

Etappe 7: Uder – Heiligenstadt 6,5 km

Ulf, eigens nach Uder gefahren, wartete schon brennend auf seinen Einsatz, um den Ort, den er in den 90er Jahren, beruflich bedingt, oftmals aufgesucht hatte, wiederzusehen: Heiligenstadt. Die kurze Flachetappe durch die grünen Leineauen endete am Sportplatz des Heilbads Heiligenstadt. Monika, Sabine, Kerstin, Anette, Michael, Bernhard und Heiko begleiteten ihn.
 
Uder – Leinetalradweg – Heiligenstadt Sportplatz
 

Etappe 8: Heiligenstadt – Wingerode 8,4 km

Weil die vorherige Etappe kürzer war als gedacht, verlängerte Ulf seinen Lauf, Bernhard ebenfalls. Reno, sonst Radfahrer, kam zu seinem ersten Laufeinsatz. Udo schloss sich den dreien an. Die Etappe folgte weiterhin dem Leinetalradweg und war so schön und beschaulich wie die vorherige.
 
Heiligenstadt Sportplatz – Westhausen – Bodenrode – Wingerode
 

Etappe 9: Wingerode – Worbis 12,5 km

 
Dieses Teilstück blieb flach, solange es an der Leine entlangführte. Nach 6 Kilometern wurde Leinefelde erreicht, wo ein Richtungs- und Profilwechsel erfolgte. An einer Kreuzung in der Ortsmitte folgte ein Schwenk nach links. Ein stetiger Anstieg führte aus dem Ort heraus. Vor einem Fahrradladen warteten die Busse auf Udo und Reno, die ihr zweites aufeinanderfolgendes Teilstück liefen, sowie Robert und Kerstin. Den Bussen entstiegen Monika, Michael, Thomas und Heiko, die sich den vorgenannten Läufern für die letzten sechs Kilometer anschlossen. Um nach Breitenbach zu gelangen, wurde eine Brücke über die A38 überquert. Kaum hatte man den nächsten Ort über ein paar Wiesenwege hinter sich gelassen, tauchte auch schon der Zielort des ersten Tages, Worbis, im Tal auf. Ein steil abschüssiger Wirtschaftsweg, eine Unterführung, und schon befanden wir uns in dem Ort, in dem wir eineinhalb Kilometer weiter unser Nachtquartier erreichten, das Hotel „Zur Wipper“. Es war 20 Uhr, als wir dort eintrafen. Nach Streckenkilometer 94 freuten sich alle auf die Dusche. Gemütlich ging's beim gemeinsamen Abendessen zu, bei dem auch unserer Baunataler Bürgermeister, Manfred Schaub, anwesend war. Wir konnten auf einen aufregenden Tag zurückblicken, der einen Hauch von Abenteuer mit sich brachte. Vor allen Dingen hatte sich niemand ernsthaft verletzt. Die Mannschaft war der Star! Wir hatten Teamgeist bewiesen, als es etwa darum ging, den Läufern mit schwindenden Kräften beizustehen. Der Spaßfaktor an der Unternehmung war enorm. Wegen der Anstrengungen des Tages hatte allerdings kaum noch jemand das Bedürfnis, die bekannte Worbiser Disco, das Glashaus Center, aufzusuchen. Einzig Robert als Techno-DJ, der einst dort auflegte, wäre zu gern hingegangen.
 
Wingerode – Beuren – Leinefelde – Breitenbach – Worbis
 

Etappe 10: Worbis – Bernterode 9 km

 
Beim morgendlichen Blick aus dem Hotelfenster schaute man auf regennasse Straßen und einen grauen Himmel. Längst schon hatte leichter Regen eingesetzt, der beständig herniederfiel. Das Regenradar der WetterApp verhieß gar nichts Gutes: Eine breite Regenfront wurde für das Gebiet zwischen Südharz und Kyffhäuser Gebirge angekündigt. Beim Start um 7 Uhr begaben sich Anette, Kerstin, Sabine, Udo und Heiko als Läufer auf den Radweg bis zum nächsten Etappenort Bernterode. Mit ihnen starteten Bettina, Christa, Ute, Reno und Jörg S. auf ihren Rädern. Die im Hotel verbliebenen Marathonis hatten noch die Gelegenheit zu frühstücken.
 
Worbis – Kirchworbis – Breitenworbis – Bernterode Schacht – Bernterode
 

Etappe 11: Bernterode – Niedergebra 9 km

 
Einer der Busse befand sich bereits am Etappenziel Bernterode, und Bernhard startete mit dem vorauseilenden Heiko zu seinem ersten Tageseinsatz. Sie hatten kaum ein paar hundert Meter zurückgelegt, als von hinten ein Pfiff ertönte: Udo wollte noch mitgenommen werden. Also warteten sie auf ihn. Zu dritt stapften sie weiter durch den noch spärlich fallenden Regen. Fliegender Wechsel in Sollstedt: Heiko, etwas entkräftet, ließ sich durch Thomas auswechseln, der dem herannahenden Bus entstieg. Auf einem großen Parkplatz vor dem Etappenziel Niedergebra warteten die beiden Busse und Manfred Schaub, der uns bis Sangerhausen begleitete. Als die drei Läufer dort eintrafen, stürmten sie auf Thomas' Hinweis, dass das Etappenziel sich am entgegengesetzten Ortsausgang von Niedergebra befinde, gleich weiter.
 
Bernterode – Wülfingerode – Sollstedt – Obergebra – Niedergebra
 

Etappe 12: Niedergebra – Wollersleben 12 km

 
Angelika, Monika, Michael und Thomas absolvierten Etappe 12. Wenig einladend klang der auf Niedergebra folgende Ort, der hieß Elende! Ein trefflicher Name auch zur Beschreibung des mittlerweile verschlechterten Wetters. Der Regen hatte an Intensität zugenommen. „Es regnete volles Rohr!“, wie Thomas hinterher meinte. Die gute Laune konnte der Regen nicht wegspülen. Alle, ob Läufer, Radfahrer oder Busbesatzung, waren mit Spaß bei der Sache. Mit Vorsicht war der regennasse, steil abfallende Schotterweg im Wald vor Kinderode zu genießen. Während die Läufer und Radfahrer den nächsten Etappenort Wollersleben ansteuerten, versuchten die Busfahrer verzweifelt, diesen ebenfalls zu finden. Die Navigationsgeräte schienen sie in die Irre zu führen. So bretterte Anette, schon halb am Verzweifeln, mit dem ihr anvertrauten Bus ohne Rücksicht auf Verluste über einen Bahnübergang, dass man Angst um die auf dem Heckträger verstauten Fahrräder haben musste. Man sollte meinen, sie hätten jeden Moment aus der Verankerung springen und auf der Straße landen können, um womöglich von Sannys Auto, das dem Bus folgte, überrollt zu werden. Kerstin rief ihre Freundin sogleich energisch zur Ordnung, sodass Anette bei der Überquerung desselben Bahnübergangs in der Gegenrichtung extreme Vorsicht walten ließ. Letztendlich war ihre Suche von Erfolg gekrönt, und lange vor Eintreffen der Läufer und Radfahrer waren beide Busse am nächsten Wechselpunkt, dem Friedhof von Wollersleben.
 
Niedergebra – Elende – Kinderode – Wollersleben
 

Etappe 13: Wollersleben – Uthleben 10,7 km

 
Die einzige Bergetappe des zweiten Tages schien wie auf unseren Alpinisten Jörg L., kürzlich beim Zugspitz Supertrail erfolgreich, zugeschnitten. Reno stieg als Läufer ein. Wer allerdings in den Alpen herumkraxelt, konnte diesen „Berg“ allenfalls Hügel nennen. Ein etwa einen Kilometer langer Anstieg führte hinauf zu einer Anhöhe, auf der sich Getreidefelder und ein kleiner Motorsportflugplatz befanden. Bevor sich der nach Norden führende Weg wieder abwärts senkte, war im diffusen Grau die Silhouette der Stadt Nordhausen zu erspähen. Ab der Talsohle nahe des Dorfes Werther wandte sich die Strecke ostwärts. Kurz hinter Steinbrücken wurde die B4 überquert und 3 Kilometer weiter der Wechselpunkt Uthleben angelaufen. Der Regen wurde, nachdem er zwischendurch nachgelassen hatte, wieder stärker.
 
Wollersleben – Steinbrücken - Uthleben
 

Etappe 14: Uthleben – Aumühle 10,4 km

 
Anette, Kerstin, Robert und Heiko hatten ebenfalls eine Regenetappe mit wechselnder Stärke des Niederschlags vor sich. Er war anfangs heftig und später, als sie sich im Dorf Heringen befanden, schwächer. Kaum hatten sie Heringen in östlicher Richtung verlassen und den sich anschließenden, vier Kilometer langen Schotterweg inmitten von umgebenden Ländereien betreten, war am Himmel eine Regenwand zu entdecken. Es dauerte gar nicht lange, bis sich die Schleusen öffneten. Einmal durchnässt, machte es Läufern wie Radfahrern auch nichts mehr aus. Robert gefiel der von lauter riesigen Pfützen übersäte Schotterweg, der ihn an zünftige Crossläufe erinnerte.
 
Uthleben – Heringen – Aumühle
 

Etappe 15: Aumühle – Roßla 10 km

 
Christiane, Manuel und Thomas S. stiegen bei Etappe 15 in den Partnerstädtelauf ein. Verwirrung im nächsten Ort Görsbach: Hier galt es, die L3080 zu überqueren, um den parallelen Radweg nördlich davon zu nehmen. Thomas hielt kurz mit dem Bus an, um Bettina darüber aufzuklären. Am folgenden Etappenpunkt, der Total Tankstelle vor Roßla, befand sich gegenüber ein Rasthaus, in dem sich alle regengeplagten Läufer und Radfahrer, die der Schlussetappen harrten, ins Trockene setzen und in aller Ruhe etwas trinken konnten.

Melanie war inzwischen eingetroffen und hatte ihr Töchterchen Lisa mitgebracht, keine zwei Jahre jung. Die Kleine war zum Knuddeln und wickelte alle um den Finger. Auch andere Neuankömmlinge warteten auf ihre Einsätze

.

Unterdessen erreichten die 3 Läufer Roßla, aber nicht alle Radfahrer. Das Fahrrad von Bettina F. hatte am Hinterrad einen Plattfuß. Dank des mitgeführten Ersatzschlauchs und Tims Geschick war das Fahrrad schnell wieder funktionstüchtig. Mittlerweile hatte man sich telefonisch darauf verständigt, dass unser Auftritt beim Rosenfest erst für 15:40 Uhr vorgesehen sein würde. Genug Zeit also, um das Ende des kleinen Boxenstopps abzuwarten. Ruckzuck waren Bettina und Tim ebenfalls am Rasthaus.
 
Aumühle – Görsbach – Berga – Roßla Total Tankstelle
 

Etappe 16: Roßla – Wallhausen 10 km

 
Dagmar, Thorgit, Lena, Lisa, Sabine, Sandra, Angelika, Melanie, Klein-Lisa (die in ihrem Wägelchen erst von Melanie selbst, später von sich abwechselnden Läufern geschoben wurde), Thomas S., Manuel, Reno, Bernhard, Udo, Ulf, Jörg S., Jörg L. und Thomas beteiligten sich als Läufer an der vorletzten aller Etappen. Sieben Radfahrer begleiteten sie. Der beharrlich fallende Regen hatte inzwischen nachgelassen. In der Ortsmitte von Bennungen wartete, wie vereinbart, Udo Michael vom ASV Sangerhausen mit drei seiner Laufkameraden auf uns. Es klappte doch alles wie am Schnürchen! Sechs Kilometer weiter östlich wurde der letzte Wechselpunkt erreicht, und der hieß Wallhausen.

 
Roßla Total Tankstelle – Roßla – Bennungen – Hohlstedt – Wallhausen

 Etappe 17: Wallhausen – Sangerhausen 7,9 km

 
 
Zu den Vorgenannten stießen Christiane, Anette, Kerstin, Monika, Ute (die ihren „Steppenwolf“ Manuel überließ), Michael, Robert und Heiko hinzu. Die Gruppe der Radfahrer, bestehend aus Bettina J., Bettina F., Christa, Tim sowie dem erwähnten Manuel, wurde durch den 6jährigen Till, Thomas' Sohn, ergänzt, der mit seinem kleinen Fahrrädchen mutig voranfuhr.

Links und rechts der bald vor uns liegenden Stadt tauchten die markanten Abraumhalden-Spitzkegel auf. Von Wallhausen aus waren es keine fünf Kilometer bis zum Erreichen der Stadtgrenze Sangerhausens, unserer Partnerstadt. Ernst, mit 74 Jahren der älteste Läufer unserer Marathonabteilung, war schon vorausgelaufen und wurde noch vor dem Stadtzentrum eingeholt.

Ein Polizeiauto mit eingeschaltetem Blaulicht und Martinshorn machte uns den Weg zum Rosarium frei. Wir freuten uns schon auf das Ziel unserer langen Reise, aber Udo Michael vertröstete uns mit immer neuen Angaben der verbleibenden Distanz und sprach Warnungen vor dem letzten Berg aus. Als wir uns endlich dem langersehnten Europa-Rosarium näherten und diesen Anstieg erblickten, wurde uns sofort klar, warum es „Berg- und Rosenfest“ heißt. Aber auch diese letzte Hürde brachten wir glücklich hinter uns und betraten um 15:40 Uhr das Rosarium. Die überdachte Bühne war gut besucht. Eine Musikband unterhielt das Publikum mit stimmungsvollen Oldies und brachte ein paar Zugaben. Derweil wir auf unseren Auftritt warteten, klarte der Himmel auf, und die Sonne kam zum Vorschein. Dabei hatte es während unseres heutigen Laufs keine einzige trockene Minute gegeben! Um 15:50 Uhr war es soweit. Der Moderator kündigte uns an, bat die Zuschauer, sich uns zu Ehren von ihren Plätzen zu erheben und uns mit Applaus zu empfangen. Das taten sie auch, während wir auf den beidseitigen Treppen zur Bühne hinabstiegen. Dort wurden wir von unserem Bürgermeister und dem Oberbürgermeister Sangerhausens, Ralf Poschmann, begrüßt. Sie würdigten das Projekt als Beitrag zur Städtepartnerschaft und bedankten sich für dessen Durchführung, allen Unbilden des Wetters zum Trotz. Organisator Thomas betonte, dass alle Beteiligtenden mit Spaß bei der Sache waren, lobte den Zusammenhalt und den Teamgeist und nannte einige vorläufige Zahlen zu den von allen vollbrachten Lauf- und Radleistungen. Seine letzten Worte wurden vom Beifall des Publikums begleitet. Das Stichwort „Rad“ war die Überleitung zum Fahrrad der Marke „Steppenwolf“, das nun mit auf der Bühne stand. Es hatte Ute auf dem Weg zur Partnerstadt gute Dienste erwiesen. Manfred Schaub erinnerte an Radtouren von Baunatal nach Sangerhausen, bei denen er selbst schon mitgeradelt sei, und würdigte die Bedeutung der MIFA als größter Arbeitgeber Sangerhausens, vergleichbar mit der Bedeutung des Volkswagen-Werk als größter Arbeitgeber Baunatals. Am Schluss wurde ein Gruppenfoto mit der Rosenkönigin und der -prinzessin gemacht. Passend dazu trugen wir, ein fast 30köpfiges Team, die roten KSV-Shirts oder -Jacken. Ein beeindruckendes Bild!

Wallhausen – Sangerhausen – Europa-Rosarium

 
Da wir immer noch klatschnass und durchgeschwitzt waren, hatten wir um Duschmöglichkeiten gebeten. Udo Michael führte uns zum wenige hundert Meter entfernten Stadion, in dessen anliegendem Gebäudekomplex es sanitäre Anlagen gab. Im Café des Rosariums konnten wir anschließend auf Kosten der Stadt Sangerhausen – der OB hatte uns dazu eingeladen – Gulaschsuppe oder Kartoffelsalat mit Bockwurst essen und etwas trinken. Bürgermeister Schaub stellte uns einen gewissen Geldbetrag in Aussicht. Eine unerschöpfliche Vielfalt bot sich dem interessierten Betrachter im Rosarium, das mit mehr als 8300 Rosenarten die weltweit größte Rosensammlung birgt. Für eine ausgiebige Besichtigung blieb uns keine Zeit, denn die meisten waren nach zwei anstrengenden Lauf- und Radtagen müde und wollten nach Hause. Zuvor stand aber noch der Rückweg von rund 170 Kilometern in die nordhessische Heimat an, der zur Abwechslung komplett im Bus oder im Auto bewältigt wurde.
 
Schon während der zwei Tage und auch im Nachhinein gab es jede Menge positive Rückmeldungen. Die Teamleistung war beeindruckend. Egal, ob es heiß war wie am ersten Tag oder regnerisch wie am zweiten, alle hatten Spaß an der Veranstaltung. Das zeigen auch die vielen Fotos mit den lachenden Gesichtern.
 
Zahlen zum Partnerstadtlauf:
 
Distanz 173 km Baunatal – Sangerhausen
Laufkilometer 1.090.3 km
Radkilometer 999,9 km
Buskilometer 459 km + 474 km = 933 km


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