Pressemeldung

15.11.15  |  Radsport-Outdoor  

Integration durch Sport

Einen außergewöhnlichen Fototermin hatten die Radsportler vom KSV Baunatal am vergangenen Samstag beim Fahrradladen Pedalwerk in Altenritte. Gemeinsam mit Inhaber Andreas Appel überreichten sie Sagen Gebremichal offiziell sein neues Rennrad und begrüßten ihn gleichzeitig als neues Mitglied der Abteilung. Das Besondere, Sagen lebt seit Juni als Flüchtling aus Eritrea in der Pommernanlage in Wolfhagen. Der 23 Jährige ist in seiner Heimat vier Jahre in der ersten Bundesliga gefahren. Als er von der Armee in dem bürgerkriegszerrütteten Land eingezogen werden sollte, trat er seine insgesamt 1,5 jährige Flucht nach Europa an. Zurück ließ er seine Eltern und drei Schwestern, zu denen er seit seiner Flucht keinen Kontakt hatte. „Als Hospitant konnte Sagen bereits einen Tag bei uns reinschnuppern und er hat uns mit seiner Arbeitsweise sofort überzeugt“, so Appel. „Als wir hörten, dass er in seiner Heimat so ein guter Fahrer war, war uns klar, der Junge muss wieder in den Sattel.“
Dank der freundlichen Unterstützungen von Radhersteller Stevens und Spenden von Privatleuten konnte das nötige Geld für das Rennrad zusammengesammelt werden. Schuhe, Helm etc. stiftete Der Fahrradladen Gudensberg und die Erstausstattung an Vereinskleidung stellte Abteilungsleiter Franz Walter zur Verfügung, der sich bereits zwei Tage zuvor bei einem Termin mit dem Hessischen Rundfunk von dem Potential Sagens überzeugen konnte. „Wie er in Altenritte den Berg hochgefahren ist, war alles andere als langsam“, schwärmte Walter.
Nach den Fotos stand dann die erste gemeinsame Trainingsfahrt zurück nach Wolfhagen auf dem Programm. Dabei musste sich Sagen nach 1,5 jähriger Trainingspause nicht nur an das neue Rad gewöhnen, sondern die deutschen Verkehrsregeln lernen. „Seine Ziele sind zunächst die deutsche Sprache zu lernen und mit Erlaubnis der Ausländerbehörde möglichst bald ein Praktikum bei Pedalwerk absolvieren zu dürfen“, so sein Betreuer Bijan Otmischi vom Landkreis Kassel.
Auch Matthias Bode, Mitglied des Präsidiums und selber Radsportler, freute sich über den Neuzugang im Verein. Er betonte aber gleichzeitig: „Als Verein arbeiten wir aber vorrangig an einem breiten Angebot für Flüchtlinge. Dabei soll nicht der Leistungssport, sondern die Integration und der gegenseitige Austausch mit möglichst vielen Schutzsuchenden im Vordergrund stehen. Es gibt regelmäßige Kontakte zu den Betreuern, um auf die unterschiedlichen Bedürfnisse reagieren zu können. Ein paar Projekte sind bereits angelaufen, andere noch in Planung.“


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