Sportakrobatik - Was ist das?

Sportakrobatik

Sportakrobaten turnen auf einer zwölf mal zwölf Meter großen, gefederten Bodenfläche.

Das Wettkampfprogramm besteht aus einer Balance-, einer Dynamic-, und einer kombinierten Übung als Mehrkampf. Meistertitel gibt es auch für die Balance,- bzw. Dynamic-Übung. Diese unterscheiden sich im Charakter grundlegend.

Alle Übungen müssen für maximal zweieinhalb Minuten nach Instrumentalmusik choreografiert werden. In jeder Übung müssen 6 Elemente enthalten sein. In der Kombinierten jeweils 3 Balance- und 3 Dynamic-Elemente.

Es werden fünf akrobatische Disziplinen unterschieden:
• Damenpaare
• Herrenpaare
• Mixed Paare (Dame,Herr)
• Damengruppen (3 Damen)
• Herrengruppen (3 Herren / 4 Herren)

 

Geschichte der Sportakrobatik

Die Akrobatik hat ihren Ursprung weltweit und zählt zu den ältesten speziell trainierten Körperübungen überhaupt.
Davon zeugen Funde aus Ägypten, China, Mexiko, und Skandinavien. Die ältesten Funde sind sicher aus Ägypten, wo etwa 4000 Jahre alte Reliefdarstellungen, gefunden bei Theben, akrobatische Übungen darstellen. In Mexiko gab es gefundene Plastiken mit akrobatischen Darstellungen, die in die Zeit zwischen 1300 und 800 v. u. Zeitrechnung datiert wurden.


Zwischen den aus der Bronzezeit (2000 – 750 v. u. Z.) stammenden Höhlenzeichnungen in Skandinavien finden wir Darstellungen von akrobatischen Sprüngen.

Zur Zeit der Han-Dynastie in China ab 206 v. u. Z. gab es eine regelrechte Blütezeit der Akrobatik, wie Aufzeichnungen aus alten Grüften bezeugen.
In Griechenland, dem Ursprungsland der Olympischen Spiele, gab es in der Akrobatik schon regelrechte Spitzenleistungen auch nach unserem heutigen Verständnis.

Die Römer nutzten das Pyramidenbauen für militärische Zwecke, um damit die hohen Mauern des Feindes zu überwinden, aber zu ihrer Zeit waren auch Gaukler sehr beliebt.

Zu den Venezianischen Spielen in Italien wurde das Pyramidenbauen um 1600 regelrechte Wettkampfdisziplin. Ähnliches gibt es in Spanien auch heute noch.
Die Akrobatik wurde besonders vom fahrenden Volk, den Gauklern, Seiltänzern, und Bankisten genutzt und in den Familien weiterentwickelt.

Ein erstes Buch über die Akrobatik
erschien 1599 von Tuccaro in französischer Sprache.

Mit der Entstehung des Zirkus im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts und des Varietés im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts bekam die Akrobatik einen besonderen Auftrieb.
Ohne systematisches Üben war man der Konkurrenz nicht mehr gewachsen. Um 1900 gab es in Deutschland ca. 30000 Artisten, davon mindesten die Hälfte Akrobaten. Die ersten Akrobatenschulen waren entstanden und bildeten Akrobaten wie Lehrlinge aus. Meistens lag die Ausbildung in dieser Zeit aber noch in den Händen der Familien. Die Entwicklung des Turnens und des Sports hatte auch hier wechselseitig bedingt einen großen Einfluß.

1900 gab es schon Spitzenleistungen, die auch heute noch absoluten Bestand haben.

Die Kremo-Familie (Artistenfamilie aus Groß-Köris bei Berlin) zeigte europaweit einen dreifachen Salto von den Füßen geworfen und wieder gefangen.

Die Gebrüder Schenk zeigten einen Handstand auf den Füßen des Unterpartners, der ebenfalls im Handstand stand. Mit der Entwicklung des Sports fanden bald viele Athleten als Amateure gefallen an den Akrobatenkunststücken, denn bis dahin diente die Akrobatik vorwiegend zum Unterhaltserwerb für Artisten.

Die Gründung des Deutschen Athletenverbandes 1891
gilt auch für die deutschen Sportakrobaten als Beginn ihrer sportlichen Entwicklung.

Bis Ende der 50-er Jahre waren es noch regelrechte Amateur-Artistenwettstreite, die seit 1925 auch als Deutsche Meisterschaften innerhalb des Athletenverbandes ausgetragen wurden.

Große Impulse gab es nach dem 2. Weltkrieg, als besonders im damaligen Ostblock insbesondere in der Sowjetunion, Polen, Bulgarien und der DDR die Akrobatik zur heutigen Sportart entwickelt wurde. Es entwickelte sich ein weltweit einheitliches Wettkampfsystem, das sich hauptsächlich an dem sowjetischen Programm orientierte. In den Ostblockstaaten ergab sich daraus eine größere Nähe zu den Turnverbänden. Das in der Sowjetunion aufgebaute Klassifizierungssystem kam in diesen Ländern mehr und mehr zur Anwendung.
Dies läßt sich besonders an der deutschen Entwicklung erkennen, wo nach dem 2. Weltkrieg in beiden deutschen Staaten zunächst der Kunstkraftsport in den Athletenverbänden fortgeführt wurde. So wurden teilweise auch gemeinsame deutsche Meisterschaften, wie 1953 in Mainz-Weisenau und 1954 in Leipzig (Jugend), veranstaltet, aber ab 1956 passte sich der Osten mehr den sportlichen Belangen des Turnens an. Durch sportwissenschaftliche Systematisierung wurden sie dem Turnverband zugeordnet und nannten sich fortan Sportakrobaten.

Im Westen blieb man dagegen unter dem Zirkushistoriker und Sammler Edwin Schirmer aus Hamburg der alten Tradition zunächst treu. Bis 1975 war es dort noch der Deutsche Kunstkraftsportverband (anschließend Deutscher Sportakrobatik-Bund), der nach der Herauslösung aus dem Athletenverband die Geschicke führte. Die Anpassung erfolgte aber sehr schnell, als die Internationalisierung der Sportakrobatik einsetzte.
1957 gab es in Warschau von Polen organisiert das erste internationale Akrobatikturnier mit Polen, Bulgarien, der Sowjetunion und der DDR. Weitere Ländervergleiche folgten wechselseitig und dienten der internationalen Entwicklung. Beide deutschen Verbände waren 1973 bei der Gründung eines internationalen Verbandes der Internationalen Föderation für Sportakrobatik (IFSA) in Moskau vertreten.
1985 wurde die IFSA in das IOC aufgenommen.

1998 löste sich die IFSA in Minsk auf und schloß sich dem Internationalen Turnerbund (FIG) an,
der bereits einen Antrag an das IOC gestellt hat, die Sportakrobatik 2008 in das Olympische Programm zu nehmen.

Die ersten Weltmeisterschaften richtete 1974 Moskau aus, die zunächst alle zwei Jahre, später auch jährlich statt fanden. In der FIG finden Weltmeisterschaften alle zwei Jahre statt. In den dazwischen gelegenen Jahren finden Kontinentalmeisterschaften (in Europa die Europameisterschaften unter der UEG) statt.
In Deutschland wurden Weltmeisterschaften 1976 in Saarbrücken, 1990 in Augsburg, 1996 und 2002 in Riesa ausgetragen. Deutschland war 1995 in Riesa auch Gastgeber der Juniorenweltmeisterschaften und 1997 in Baunatal der Europameisterschaften. Nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten gab es bereits 1990 gemeinsame Deutsche Meisterschaften in Marburg. Zu diesen Deutschen Meisterschaften wurden die neuen Bundesländer in den Deutschen Sportakrobatik-Bund (DSAB) aufgenommen.

1991 wurde der erste gesamtdeutsche Vorstand gewählt. Als relativ kleiner Verband mit erheblichen materiellen Problemen behaftet, hat der DSAB sportlich unter der Anleitung des bulgarischen Trainers Vitcho Kolev (in Bulgarien promoviert) hervorragendes geleistet. So gab es mehrfach Medaillengewinne zu Juniorenweltmeisterschaften, wie z. B. für eine Damengruppe aus Hüttlingen und in Riesa zwei Bronzemedaillen für das gemischte Paar aus Hoyerswerda, welches zu den Junioren-Europameisterschaften 1969 in Zielona Gora auch zweimal Silber und einmal Bronze holte. 1995 gewann bei den Europameisterschaften der Senioren die Damengruppe aus Berlin im Mehrkampf eine Bronzemedaille. Das gemischte Paar aus Hoyerswerda konnte 1997 zu den Europameisterschaften in Baunatal/Hessen mit der Balanceübung ebenfalls Bronze gewinnen.
Einen ausgezeichneten vierten Platz erreichte zu den Weltmeisterschaften 2000 in Wroclaw/Polen die Herrenvierergruppe aus Württemberg. Zu den WM 2002 in Riesa konnte sich neben dem Damentrio aus Schwerin (Platz 8) die Herrengruppe aus Württemberg erneut ausgezeichnet mit Platz sieben in Szene setzen.

Die Landesverbände waren in drei verschiedenen Landesfachverbänden organisiert, so in eigenständigen Sportakrobatikverbänden, im Schwerathletikverband und in Landesturnverbänden, die zusammengefaßt Mitglied im Deutschen Sportakrobatik-Bund e. V. waren. Inzwischen sind bis auf Bayern, Württemberg und Hessen alle den Landesturnverbänden beigetreten.

Die vorgesehen Fusion des Deutschen Sportakrobatik-Bundes mit dem Deutschen Turner-Bund kam im Jahre 2000 nicht zu Stande, da die 32er Fernsehvertragsrechte nicht auf den DTB übertragen werden konnten. Dadurch wäre zunächst ein erhebliches finanzielles Loch entstanden, was niemand hätte ausgleichen können. Die Fusion wurde auf unbestimmte Zeit verschoben. Über eine enge Zusammenarbeit vertritt der Deutsche Turner-Bund die Sportakrobaten international.

Disziplinen
In den drei Paardisziplinen Damen, Herren und Mixed (gemischtes Paar),
sowie in den zwei Gruppendisziplinen Damentrio und Herrenvierergruppe wird eine hautnahe Teamarbeit geleistet, die einem filigranen Zusammenwirken eines Musikorchesters entspricht.
Die Paare und Gruppen müssen entsprechend dem Code of Points (Regelwerk der FIG) für die Qualifikation zum Finale und die Mannschaftswertung drei verschiedene Übungen turnen, Balanceübung, Tempoübung und kombinierte Übung, die gleichzeitig für das Mannschaftsergebnis gewertet werden. Für das Finale mit einer kombinierten Übung qualifizieren sich in jeder Disziplin die besten acht der drei vorangegangenen Übungen. Diese Finalisten kämpfen mit der kombinierten Übung um den Weltmeistertitel (Stand 2002).

In der Balanceübung werden Balanceelemente (z. B. Handstand auf den Händen des Unterpartners) oder Bewegungselemente mit besonderem Kraft- oder Geschicklichkeitsaufwand ohne Lösen der Partner von einander (Heben in den Handstand auf den Händen des Unterpartners, Diamidow vom Boden auf die Hände des Unterpartners) gefordert. Dazu kommen individuelle akrobatische Elemente (Stände, Beweglichkeitselemente, Sprünge in eine Pose und choreographische Drehungen), wie sie ähnlich auch vom Bodenturnen her bekannt sind.

In der Tempoübung haben alle Elemente eine Flugphase (z. B. Saltos in verschiedenen Variationen), die der Oberpartner von Unterpartnern gesprungen auf dem Boden landen oder auf dem Unterpartner gefangen landen kann. Sprünge des Oberpartners vom Boden mit Unterstützung des Unterpartners und von diesem gefangen sind auch möglich. Zu den nötigen individuellen Elementen gehören Sprünge wie Saltos, Flick-Flacks, Überschläge und choreographische Sprünge.

Die kombinierte Übung besteht aus einer Mischung von den vorgenannten beiden verschiedenen Übungscharakteristiken.

Alle Übungen müssen nach einer frei wählbaren Instrumentalmusik choreographiert sein und dürfen eine Zeit von 2:30 Min. nicht überschreiten.

Bewertung Die Bewertung der Übungen erfolgt seit dem 01.01.2005 nach völlig neuen Maßstäben:

Note für die technische Ausführung
Durch 3 – 4 separate Kampfrichter für die technische Ausführungsnote werden die Fehler von der Höchstnote 10,0 abgezogen. Punktabzug gibt es hier ähnlich wie beim Turnen für Haltungsfehler, Unsicherheiten, schlechte sportliche Technik usw.

Artistische (künstlerische) Note
Durch ebenfalls 3 – 4 separate Kampfrichter für die artistische Note werden Fehler von der Höchstnote 10,0 abgezogen. Abzüge gibt es bei Fehlern in der Präsentation (Kleidung, Vorstellen beim Kampfgericht, Größenunterschiede usw.), in der fehlenden Synchronität der einzelnen Partner während der Übung untereinander und zur Musik, in der Artistik (künstlerisch) heißt dies Originalität in der Choreographie, Ausnutzung der Bodenfläche und Variabilität in der Gestaltung der Übung (Show).

Note für die Schwierigkeit
Die Schwierigkeitsnote wird von den Schwierigkeitskampfrichtern vergeben, die die Übung nach dem vorher eingereichten Übungsbogen kontrollieren und danach die Note rechnerisch nach einer Tabelle ermitteln. Diese Note kann zwischen 0 und 10 Punkte liegen. Die Endnote für eine Übung wird künftig zwischen 0 und 30 Punkten und bei drei zusammengefassten Übungen für die Mannschaftswertung zwischen 0 und 90 Punkten liegen.

(Anmerkung: Tumbling gehört zum Trampolinspringen und ist seit 01.01.2001
Sportart des Deutschen Turner-Bundes, angepasst an das System der FIG .)