«27. Lange Nacht bereitet auch Eissportlern heiße Stunden»
Es passiert nicht alle Tage, dass die mannhaften Eisstockschützen des KSV Baunatal ihre frostige Sportarena gegen einen Abend in der wohlig-warmen Stadthalle eintauschen. Mit spielerisch wirkender, in langen Abenden auf glattem Eis jedoch professionell erworbener Standhaftigkeit, sah man sie auf blank poliertem Parkett dem Scheinwerferlicht der hell erleuchteten Stadthallenbühne entgegen schreiten.
Dort wartete, neben der Vereinspräsidentin Ursula Harms, auch eine hohe Ehrung auf die hoffungsfrohen Recken. Welcher Art die Ehrung sein würde, erfuhren die Sportler und circa 330 Gäste der 27. Langen Nacht kurz darauf, als Moderatorin Annette Böhle die Sieger der Wahlen zur Mannschaft, zur Sportlerin und zum Sportler des Jahres 2007 im KSV Baunatal bekanntgab.
Nehmen wir es vorweg: Der ganz große Triumph gelang den Eissportlern in diesem Jahr (noch) nicht – die Nachwuchsgarde der HSG Baunatal (Hessenmeister der männlichen A-Jugend) schob sich in der Endwertung noch denkbar knapp vor die Bundesliga-Aufsteiger, die sich mit Platz zwei und dem größten Erfolg der Abteilungsgeschichte sicherlich gut trösten können. Den dritten Rang belegte die Mannschaft Tennis Herren 50 (Aufstieg in die Regionalliga) vor der Leichtathletik Staffel M50 (u.a. Deutsche Vizemeister 4x400m).
Auch bei der Wahl zur Sportlerin des Jahres reüssierte der Nachwuchs. Kurz nach ihrem 19. Geburtstag gewann dort die Trampolin-Turnerin Jana Rosenthal (u.a. 6. der DM) vor der Seniorensportlerin Regina Machner (3. der WM im Speerwurf) und Laura Maschke (u.a. 3. der DM).
Eine gewisse Routine im Entgegennehmen von Siegerurkunden und Pokalen entwickelt zusehends der junge Duathlet René Hördemann, der es – nach eigener Aussage – an diesem Abend jedoch vor allem auf den prächtigen Schokoladenhasen abgesehen hatte, der allein dem Sieger vorbehalten sein sollte. Nur wenig später hatte dieser (der Hase) dann seinen Kopf bereits eingebüßt, der traurige Torso ruhte derweil in den Händen eines selig strahlenden Sportlers des Jahres: Weltmeister René Hördemann. Auf die weiteren Plätze verwies er Leichtathlet Gregor Meilinger (u.a. 5. der DM 200m) sowie Inline-Hockey-Torwart Torben Grass (u.a. 10 der WM) und Schwimmer Malte Gurke (u.a. 2. der DM).
Und was gab es sonst noch auf der Langen Nacht? Die festliche Atmosphäre einer Tanz- und Sportgala, zu der erneut zahlreiche Ehrengäste beitrugen – darunter Bürgermeister Manfred Schaub mit Gattin Ute Wiesner, eine stilvolle Eröffnung durch das Diskofox-Tanzpaar Karin Schließer und Bernd Bohlender, eine achtköpfige Partyband namens `Hokuspokus`, die alles lieferte, was es zum Tanzen und Spaß haben braucht sowie einen Besessenen auf einem Einrad, der mit seinem instabilen Sportgerät schier Unglaubliches in der Stadthalle anrichtete. Auch ein ahnungsloser Ehrengast, den Einradartist Peter Rosendahl in die Show einbezog, wurde unfreiwillig Teil des spektakulären Showacts. Stelle man sich dazu folgendes Bild vor: Ein tapferes Brauereipferd, ausgestattet mit der ihm eigenen Langmut, Gelassenheit und dem stoischen Vertrauen in die eigene Kraft; wild um es herumspringend, kläffend, nur mühsam zu bändigen und keine Sekunde rastend: ein energiegeladener zappeliger Terrier. Diese nette kleine Parabel beschreibt anschaulich, was sich zwischen Christoph Kämpf und Peter Rosendahl auf der Stadthallenbühne zutrug, als der Las Vegas-erfahrene Akrobat mitsamt des Einrades um den arglosen Kompagnon herum und über ihn hinweg hüpfte. Chapeau! – für diese mutige Vorstellung beider Protagonisten.
Die Lange Nacht endete dann, wie sie enden musste: Spät!
VON: TIMO GERHOLD
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