Pressearchiv 2009

14.12.09  |  Schwimmen  

Brustkrebs - Janine Pietsch hofft auf Comeback

Von Anja Schramm 2. Dezember 2009, 11:43 Uhr

Brustkrebs riss Schwimmerin Janine Pietsch aus dem Leistungssport. Die Olympia-Teilnehmerin macht den Sport verantwortlich für die Krankheit und denkt dennoch an ein Comeback. Der Freundin von Franziska van Almsick fällt es schwer zu akzeptieren, dass sie nicht mehr so schnell ist.

Der schwarze Rolli verdeckt das Tattoo im Nacken, das Janine Pietsch seit einigen Wochen trägt: "Schicksal" in chinesischer Schrift. Später einmal sollen ihre Haare jenes Kunstwerk nur noch erahnen lassen. Noch sind sie zu kurz. Sie hat sie schwarz gefärbt und mit Gel gestylt. "Wenn Gras darüber gewachsen ist, sprich meine Haare, dann habe ich das Schicksal besiegt." Aber ihr Friseur, sagt die junge Frau schmunzelnd, sei der Meinung, dass er genau an der Stelle immer eine schöne Auskerbung machen müsse.

Pietsch ist 27, sie war einst Kurzbahn-Weltmeisterin im Rückenschwimmen, Olympiateilnehmerin, oft Zimmerkollegin von Franziska van Almsick. Vor 13 Monaten wurde bei ihr Brustkrebs diagnostiziert. Zehn Tage später folgte die Operation, danach sechs Monate Chemotherapie und anschließend Bestrahlungen. Pietsch hat die Krankheit niedergekämpft, an diesem Wochenende wollte sie ihren ersten Wettkampf bestreiten, kein Comeback, wie sie sagt, aber ein Neuanfang. 2. Bundesliga, Vorkampf Mannschaftsmeisterschaften. Nun hindert sie eine Handverletzung daran. "Früher hätte ich zu Hause gesessen und mir Vorwürfe gemacht." Heute plaudert sie ganz unbefangen über Möglichkeiten, die ein freies Wochenende bietet.

Die Gesundheit geht jetzt vor

Sie sagt "vorheriges Leben", wenn sie von Dingen vor dem 30. Oktober 2008, dem Tag ihrer Operation, erzählt. Es war das klassische Leben eines Leistungssportlers. Durchgeplante Tage, Wettkämpfe und Training, auch wenn der Körper schlappmachte. Ein Auslöser für ihre Krankheit, mutmaßt sie. "Das ständige zu viel Geben und trainieren, auch wenn man krank ist, das spielte bei mir auf jeden Fall eine Rolle."

Seit ein paar Wochen schwimmt sie wieder. Sie absolviert nicht mal ein Drittel ihres früheren Pensums. Es fällt ihr schwer zu akzeptieren, dass sie nicht mehr so schnell ist. Es sind Momente, in denen das frühere Leben auf das jetzige trifft. Ob sie als Leistungssportlerin zurückkommen wird, weiß sie nicht. "ch schließe es nicht aus. Aber alles nur unter dem Aspekt, dass Gesundheit vorgeht" Ob Hochleistungssport so möglich ist, ist fraglich. Doch ihre Werte haben sich sowieso verschoben. "ch definiere mich nicht mehr über den Sport, sondern ich bin der Mensch Janine. Ich bin jetzt ich selbst."

Seit fünf Wochen arbeitet sie wieder halbtags, sie hat nebenbei angefangen zu studieren. Spannend nennt sie die Zeit, weil sie sich "dem stupiden Perfekten" entledigen musste. Und dennoch fehlt ihr manchmal das Geregelte von früher. "Ich bin auf der Suche nach meinem Alltag. Jetzt habe ich viel mehr Freizeit. Jeder andere würde sagen 'super'. Ich bin momentan noch damit überfordert, mir das einzuteilen."

Es ist der offene Umgang mit der Krankheit, die ihre Geschichte so bemerkenswert macht. Mittlerweile ist sie Botschafterin der Deutschen Krebsgesellschaft. Sie versucht, Frauen zu Vorsorgeuntersuchungen zu bewegen, mit denen sie es früher selber nicht so genau nahm. "Wer glaubt schon, dass er mit Mitte 20 an Krebs erkrankt?"

Sie spricht ganz unverblümt über Details der Krankheit und der Therapie, über die Tage, an denen sie nicht mal alleine auf die Toilette konnte. Über 20-Minuten-Spaziergänge, die für sie wie Hochleistungssport waren. Ihr Plauderton nimmt den Worten die Schwere. Sie sagt, sie will informieren und sensibilisieren. Sie erzählt von den ausfallenden blonden, langen Haaren. "Ich hätte gedacht, dass das schwieriger werden würde." Auch die Narbe an der Brust stört sie nicht. Nur die paar Kilo zu viel, die geblieben sind, weil sie noch fünf Jahre Hormone nehmen muss, die sie künstlich in die Wechseljahre versetzen, mit all den Nebenwirkungen, die sind "ein kleines Problem".

Laudatio von Campino

Im Sommer wurde sie beim Bayerischen Sportpreis geehrt. Es war ein Abend mit gediegenem Publikum und vielen Oberflächlichkeiten, bis Campino kam. Der Sänger der Toten Hosen hielt die Laudatio auf Pietsch und überreichte den "Jetzt-erst-recht"-Preis. Er erzählte von gemeinsamen Erlebnissen und mahnte, nie den Menschen hinter dem Sportler zu vergessen.

Pietsch und Campino kennen sich seit 2004. Sie saßen beim olympischen Handballfinale nebeneinander auf der Tribüne. Aus der anschließend durchzechten Nacht wurde Freundschaft. Während der letzten Monate war Campino ein wichtiger Begleiter. Seine Eltern starben an Krebs. Er wusste Pietsch zu nehmen, ohne falsch verstandene Scheu. Jenes Mitleid aus dem Umfeld, das Betroffene noch mehr zermürbt. "Diese Menschen habe ich gemieden", sagt Pietsch. Ihr Freundeskreis hat sich verkleinert, Campino blieb. Vor jeder Chemo kamen aufmunternde Worte, SMS wie jene, die für Außenstehende eher rauen Charme haben: "Das schaffst du, du Kampfsau!"

12.11.2008, 17:56 - Schwimmen - National - Schock: Janine Pietsch an Brustkrebs erkrankt

Wie Janine Pietsch über ihr Management bekanntgab, ist die zweifache Schwimm-Weltmeisterin an Brustkrebs erkrankt. Die Chancen auf eine vollständige Heilung stehen jedoch sehr gut.

Janine Pietsch ist an Brustkrebs erkrankt.

Weltklasse-Schwimmerin Janine Pietsch ist an Brustkrebs erkrankt. Das gab die Doppel-Weltmeisterin aus Ingolstadt am Mittwochabend über ihr Management bekannt. Nach erfolgreicher Operation blickt die Ingolstädterin nach vorn: "Ich habe den Kampf aufgenommen und habe bisher jeden Gegner besiegt, also werde ich auch diesen Kampf gewinnen.

Pietsch hatte die Diagnose vor drei Wochen erhalten. Aufgrund der frühzeitigen Diagnose stehen die Chancen einer vollständigen Heilung laut Pressemitteilung sehr gut.

Pietsch will durch Aufklärung nun auch anderen Frauen bei der Bewältigung der Krankheit helfen. "Ich möchte anderen Frauen Mut machen und ihnen die Angst nehmen, rechtzeitig und regelmäßig zum Arzt zu gehen und auch an junge Frauen appellieren, nicht leichtsinnig mit dieser wichtigen Vorsorge umzugehen", sagte sie. Die Sprint-Spezialistin hatte sich nach einer schweren Erkrankung an der Schilddrüse gerade erst erholt, als sie die schrecklichen Diagnose erhielt. Bei einer Routineuntersuchung wurde ein Tumor in der Brust entdeckt, 1,5 Zentimeter im Durchmesser, der glücklicherweise noch nicht gestreut hatte.

Nach erfolgreicher Operation in der vergangenen Woche im Klinikum Ingolstadt, bei der der Tumor und ein Lymphknoten entfernt wurden, beginnt nun eine langfristige Therapiephase mit Chemotherapie, Bestrahlung und Hormonbehandlung. Nach Auskunft der behandelnden Ärzte, denen Janine Pietsch sehr dankbar für die bisherige Behandlung ist, wird sich diese Phase über zwei Jahre hinziehen. Dass die gelernte Bürokauffrau ihre Karriere fortsetzt, ist zwar nicht ausgeschlossen, ob sie es tut, aber natürlich fraglich.

In den Blickpunkt der Öffentlichkeit gelangte die 26-Jährige im Mai 2005, als sie bei den 117. Deutschen Meisterschaften in Berlin mit einer Bestzeit von 28,19 Sekunden einen Weltrekord über 50 m Rücken aufstellte. Der internationale Durchbruch gelang ihr bei den Kurzbahn-Weltmeisterschaften 2006 in Shanghai, bei denen sie in neuer deutscher Rekordzeit von 58,02 Sekunden über 100 m Rücken den Weltmeistertitel errang und auch über die halbe Distanz in Europarekordzeit von 27,00 Sekunden Gold holte. Bei den Europameisterschaften 2006 in Budapest schwamm sie zu ihrem ersten EM-Titel über 50 m Rücken, außerdem gewann sie Bronze über 100 m Rücken.

11.10.2009 - Nach Brustkrebs-Diagnose: Janine Pietsch zurück im Becken

Janine Pietsch arbeitet nach ihrer Brustkrebs-Diagnose auf ein Comeback im Becken hin

Ein Jahr nach der Brustkrebs-Diagnose ist Janine Pietsch wieder im Training und denkt an ein Comeback. "Ich will es mal probieren", sagte die ehemalige Schwimm-Weltmeisterin.

Die ehemalige Schwimm-Weltmeisterin Janine Pietsch hat ein Jahr nach der Brustkrebs-Diagnose wieder mit dem Training begonnen und plant ihr Comeback.

"Ich habe zwar etwas Bammel, aber ich will es mal probieren", sagte die 27-Jährige, die Ende November beim Mannschafts-Wettkampf in der zweiten Liga für ihren Heimatverein SC Ingolstadt an den Start gehen will.

Fünf Monate nach ihrer letzten Chemo-Therapie bestreitet Pietsch drei Trainingseinheiten pro Woche.

"Mein Körper ist nach den ganzen Behandlungen sehr kaputt. Das merke ich natürlich auch im Wasser. Mir tut die ganze Muskulatur weh", sagte Pietsch der "Bild am Sonntag": "Aber es macht mir auf jeden Fall wieder Spaß"

Mit Perücke und Schminke fühle ich mich wie ein Mensch
BamS-Interview mit der erkrankten Schwimm-Weltmeisterin Janine Pietsch
03.07.2009 - 21:38 UHR, von THOMAS SULZER und MICHAEL KREFT

BILD am SONNTAG: Das letzte Jahr war nicht Ihr Jahr.

Janine Pietsch (26): Die letzten beiden Jahre waren für mich katastrophal. Erst erkrankte meine Mama an Gebärmutterhalskrebs, dann kam bei mir eine schlimme Schilddrüsenerkrankung mit der Folge, dass ich schlimme Angst- und Panik-Attacken hatte, dann habe ich mich von meinem Freund getrennt, dann verpasste ich Olympia, schließich noch bei mir die Diagnose Brustkrebs.

BamS: Sie bekommen Chemo-, Strahlen- und eine Hormontherapie. Das wichtigste: Wie geht es Ihnen?

Janine Pietsch: Ich habe das Glück, dass die Ärzte, Professor Aydeniz und Dr. Junker das ganz gut im Griff haben. Aber ich bin natürlich extrem platt, habe Migräneanfälle und Knochenschmerzen. Das ist als Sportler für mich sehr belastend, man kennt seinen Körper eben anders. Ich bin da völlig hilflos, manchmal verzweifle ich auch. Aber ich gehe gut damit um. Für mich ist der Krebs auch nicht mehr vorhanden. Der ist für mich mit der Operation entfernt worden. Das, was jetzt geschieht, ist Vorsorge.

BamS: Was auffällt: Die Zahl der kranken Leistungssportler nimmt zu.

Janine Pietsch: Als Sportler rennst Du durchs Leben wie ein Bekloppter. Ich beispielsweise bin mit Antibiotika wieder ins Wasser gegangen. Ich glaube, dass das auch Dinge sind, die den Krebs fördern. Der Körper bildet jeden Tag 1000 Krebszellen - das Immunsystem schafft es irgendwann nicht mehr, sich dagegen zu wehren, weil man als Leistungssportler ständig an die Grenzen geht. Der Körper tötet vielleicht nur noch 950 Zellen ab, da bleiben jeden Tag noch 50 über. Dass die sich irgendwann zu einem Tumor bilden, ist klar. Ich glaube, dass der Leistungssport damit etwas zu tun hat. Das sagen die Ärzte mir auch. Sie glauben, dass der Stress und der Druck, den man im Leistungssport hat, die Tumorbildung fördert. Bewiesen ist allerdings noch nichts.

BamS: Sie sind mitten in der Chemotherapie. Ihre Haare sind ausgefallen, Sie tragen Perücke.

Janine Pietsch: Ich bin von einem Fernseh-Auftritt nach Hause gekommen, habe mir die Haare gekämmt und hatte die ganze Hand voller Haare. Das war das Schlimme: Durch die Haare fahren und den ganzen Büschel in der Hand zu haben. Das habe ich eineinhalb Tage mitgemacht, dann war es mir zu blöd. Ich sah aus wie ein gerupftes Huhn. Dann habe ich mir von einer Schwimmkollegin die Haare abrasieren lassen. Ich habe zu ihr gesagt: "Bring' den Rasierer mit und mach' mir die Dinger ab!" Anfangs waren sie noch 15 Millimeter lang. Ich fand es sogar cool. Vorher hatte ich Angst, dass es schlimm aussieht mit den kurzen Haaren - als ich in den Spiegel schaute, war die Angst allerdings weg.

BamS: Was haben Ihre Freunde gesagt?

Janine Pietsch: Die Männer fanden das richtig hübsch. Sie haben gesagt: "Lass Dir bloß nach der Chemo nicht mehr die Haare wachsen!" Das schlimme war dann allerdings, als ich mir die Glatze rasiert habe. Die Nervenenden der kurzen Haarstoppel haben sich entzündet, ich konnte nicht mehr liegen, das fühlte sich an wie Nadelstiche. Also habe ich gesagt: "Jetzt machen wir sie komplett ab." Kunsthaar-Perücke beim Friseur bestellt - fertig! Gefällt Sie Ihnen? Ich habe gemerkt: Wenn ich morgens aufwache, mich beschissen fühle, mich im Spiegel mit Glatze sehe, geht's mir noch schlechter. Dann fühle ich mich wirklich wie ein Opfer. Mit Perücke und ein bisschen Schminke bin ich gleich besser drauf. Danach fühle ich mich wie ein Mensch, so werde ich nicht jede Sekunde an die Krankheit erinnert. Deshalb tut die Perücke gut.

BamS: Sie können sich bestimmt noch an den Tag der Diagnose erinnern.

Janine Pietsch: Es war irgendwann Ende Oktober. Ich wurde von meinem Frauenarzt zu Röntgenaufnahmen geschickt. Ich bin da hingefahren und dachte mir nichts dabei. Ich hatte zwar einen Knoten, den ich selber spüren konnte. Aber für mich war klar, dass es was Gutartiges ist und dass es eventuell daher kommt, weil mein Badeanzug genau an der Stelle scheuerte. Ich hatte mich schon wieder angezogen, als ich sah, dass die Arzthelferin mit der Ärztin tuschelt. Es wurden noch zwei andere Bilder gemacht, das war der erste Zeitpunkt, wo ich gemerkt habe: "Da stimmt was nicht!" Da kam ich ins Wanken. Ich sitze also auf der Liege und die Ärztin schaut mich gar nicht an, sondern auf die Bilder. Ohne mich anzuschauen, fing sie an: "Ja, Frau Pietsch, das sieht aber gar nicht gut aus! Das müssen wir operieren, so schnell wie möglich! Der Knoten ist bösartig!" Sie war sehr streng, was ich in dieser Situation völlig daneben empfand - aber im Nachhinein war es genau richtig, wie sie es gemacht hat. Denn sonst kapiert man es tagelang nicht. Ich lag nur da und weinte. Ab diesem Zeitpunkt war das Thema Schwimmen für mich gegessen.

BamS: Sie haben prominente Freunde, die Sie trösten und Mut zusprechen - sogar Sänger Campino von den Toten Hosen.

Janine Pietsch: Wir haben uns 2004 bei den Olympischen Spielen in Athen kennen gelernt. Seitdem haben wir immer Kontakt gehalten, wir mailen uns oft. Campino hat beide Elternteile durch Krebs verloren, deshalb merkt man auch, dass er weiß, wie er mit mir umgehen kann. Er sagt immer zu mir: "Das schaffst Du, Du Kampfsau! Du bist stark, das kriegst Du hin." Wenn ich kann, gehe ich auf seine Konzerte, zuletzt am zweiten Weihnachtsfeiertag in München. Ich versuche, nach jedem Zyklus der Chemo-Therapie ein Highlight zu setzen - zuletzt war es das Tote-Hosen- Konzert. Gibt's ein Lieblingslied von den Toten Hosen? ,Steh' auf wenn du am Boden bist". Dieses Lied habe ich auch schon immer nach Wettkämpfen gehört, bei denen es nicht so lief.

BamS: Auch Franziska van Almsick ist eng mit Ihnen befreundet.

Janine Pietsch: Wir haben uns leider das letzte Mal im Sommer gesehen. Aber sie meldet sich, sie hat mir Blumen geschickt, sie istnt schon dahier. Ich weiß, dass ich sie immer anrufen kann, wenn ich sie brauche. Wenn wir telefonieren, merke ich, dass alles ist wie früher.

BamS: Von Olympiasiegerin Britta Steffen sind Sie dagegen enttäuscht, weil sie sich nicht meldet.

Janine Pietsch: Mit Britta habe ich nicht viel zu tun, aber wir sind immerhin in einer Nationalmannschaft. Es geht nicht darum, dass die Leute zu mir kommen und mir irgendwas vorspielen. Aber ich denke, dass es nicht zuviel verlangt ist, einfach mal eine Mail zu schicken. Da gibt es andere wie Birte Steven und Annika Lurz die auch dann ständig für mich da sind und darüber bin ich sehr glücklich.

BamS: Anfang Dezember haben Sie sich von Ihren Schwimmkollegen bei den deutschen Meisterschaften verabschiedet. Warum quälen Sie sich so?

Janine Pietsch: Für mich war klar, dass ich mindestens ein dreiviertel Jahr nicht mehr schwimmen werde. Ich wusste, dass ich dort die wichtigsten Leute noch mal treffen kann. Es war ein extrem anstrengendes Wochenende, ich war sehr, sehr fertig, weil mir die Sache sehr nahe ging. Ich bin in Essen auch zwischenzeitlich in der Klinik gewesen, um meinen Blutdruck überprüfen zu lassen. Auf dem Weg dorthin habe ich einen Autounfall gebaut, weil ich sehr unkonzentriert war. Die nervliche Belastung war eben extrem hoch. Ob ich jemals noch mal schwimmen werde, weiß ich noch nicht.

BamS: Von was leben Sie zurzeit?

Janine Pietsch: Von Krankengeld und treuen Sponsoren, die mich weiterhin unterstützen und hinter mir stehen. Leider ist einer meiner größten Sponsoren am Tage nach der Bekanntgabe meiner Erkrankung abgesprungen. Die große Firma aus Ingolstadt hat sofort von einer Klausel Gebrauch gemacht, die besagt: Wenn ich drei Monate nicht mehr schwimme, kann man den Vertrag kündigen. Leider hat sich die Firma nicht persönlich bei mir gemeldet, sondern nur bei meinem Management angerufen.

BamS: Was macht Ihnen Mut? Gibt es ein Symbol, an das Sie glauben?

Janine Pietsch: Ich habe eine Kette. Die gleiche hat meine Mama auch. Die habe ich ihr damals bei ihrer Krebserkrankung geschenkt, jetzt hat sie mir dieselbe auch kurz vor der OP gegeben. Auf der einen Seite ist eine große Sonne drauf, auf der anderen steht "Du schaffst es!" und die Anfangsbuchstaben meines Vaters, meiner Mutter und meines Bruders. Die Kette wird nie abgenommen.

BamS: Sie schreiben auch ein Tagebuch.

Janine Pietsch: Ja, ein Krebstagebuch. Ich schreibe das Buch von hinten und von vorne. Hinten stehen die Nebenwirkungen der Chemo, vorne stehen die ganzen Ereignisse. Ich hatte gehofft, dass ich dort meine Gefühle zum Ausdruck bringen kann, aber das ist dort nicht möglich. Ich weiß nicht, warum.

BamS: Was werden Sie machen, wenn Sie wieder gesund sind?

Janine Pietsch: Dann werde ich es richtig krachen lassen und mir ein weiteres Tattoo stechen lassen. Bis jetzt habe ich am linken Knöchel die olympischen Ringe, an der rechten Wade steht "Kraft der Liebe", an der Hüfte "Glaube an Dich!" und auf dem Schulterblatt "Glück" - alles in chinesischen Schriftzeichen. Vielleicht mache ich mir dann ein Tattoo mit "Ich hab's geschafft".


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