Pressearchiv 2015

17.04.15  |  Marathon  |  geschrieben von Heiko Rammenstein

5. Bilstein-Marathon am 12.04.2015

Was macht den Bilstein-Marathon so überaus beliebt? Warum zieht er Läuferinnen und Läufer nicht nur aus der Region, sondern aus vielen Gegenden Deutschlands, ja sogar aus dem europäischen Ausland an? Der nachfolgende Bericht liefert eine Reihe von Antworten auf diese Fragen.

Klasse statt Masse! Der Bilstein-Marathon soll keine Großveranstaltung werden. Durch die bewährte Begrenzung auf 500 Teilnehmer wurde das familiäre Konzept beibehalten. Mehr Kapazitäten hätte Kleinalmerode, das Start- und Zieldorf am Fuße des Bilsteins, auch kaum verkraftet.

Gute Organisation spricht sich herum, erst recht in Läuferkreisen. Die Verantwortlichen von sport4you e.V. stellten auch bei der 5. Auflage wieder ein Event auf die Beine, das kaum Wünsche offen ließ. Die in der Vorankündigung propagierten Streckenänderungen beim Marathon und Ultramarathon machten neugierig. Schöner und trailiger sollten sie sein. Kenner der alten Strecken konnten sich davon überzeugen: Das Orga-Team hatte nicht zuviel versprochen. Dass die mit 1.500 Höhenmetern gespickte Ultradistanz um einige Kilometer auf über 57 verlängert wurde, bedeutete für die Freunde des Langstreckenlaufs einen zusätzlichen Kick.

Eine Attraktion war schon die „Nudel satt Party“ im Kleinalmeröder Dorfgemeinschaftshaus am Vorabend. Tim Kuhlmanns Äußerungen trafen es auf den Punkt. Der Ultraläufer des KSV Baunatal schilderte seine Eindrücke wie folgt: „Ich habe niemanden von uns auf der Pastaparty getroffen, saß mit einem Franzosen an einem Tisch, der den Ultra mitlaufen wollte. War auch schwer, dort den Überblick zu behalten, es war wie immer gerammelt voll. Einige mussten an Stehtischen essen. Dreimal war ich am Buffet und habe nicht alles probieren können. Es gab also wieder mehr als reichlich und es wurde bis zum Schluss nachgefüllt.“

Ein besonderes Highlight für Interessierte war der anschließende Vortrag des Stuttgarters Klaus Neumann vom 100 Marathon Club, der im Juni des Vorjahres am weltgrößten Ultralauf, dem Comrades in Südafrika, teilgenommen hatte und nun seine Erfahrungen zum Besten gab.

Am anderen Morgen lauschten die Ultraläufer den Grußworten der Witzenhäuser Bürgermeisterin Angela Fischer und „Ihrer Majestät“, Kirschenkönigin Saskia I., bevor sie um halb neun auf die lange Reise geschickt wurden. Zu der Zeit waren die 80 Wanderer und Nordic Walker schon eine Stunde unterwegs.

Das erste Zwischenziel führte bei etwa acht Grad der aufgehenden Sonne entgegen. In nordöstlicher Richtung lag der bewaldete Rodeberg, der einmal zu umrunden war. Schon auf dem Weg dorthin kamen den Ultraläufern die ersten Wanderer entgegen. Nach der Runde näherten sie sich wieder Kleinalmerode. Vom offenen Gelände aus ließ sich hoch droben die markante Erhebung des Bilsteins inmitten des Kaufunger Waldes erblicken. Bis dahin sollten noch 36 Kilometer zurückzulegen und viele Höhenmeter zu überwinden sein.

Der kleine Abstecher ins Buchholz mit seinen serpentinenartigen, knüppelharten Anstiegen auf schmalem, wurzelübersäten Pfad und Treppenab- und aufgang vor imposantem Felsen war ein willkommenes Schmankerl, das seinen Abschluss auf einem Acker fand.

Nach 11 Kilometern wurde Kleinalmerode wieder erreicht und nach einem weiteren erneut verlassen. Der wesentlich kleinere Nordteil der Strecke war damit abgegrast. Es folgte der weitaus längere und anspruchsvollere Streckenabschnitt durch den Kaufunger Wald südlich des Dorfes. Er begann harmlos. Am Sportplatz nahe des Waldes war einer der zehn reichhaltigen Verpflegungspunkte eingerichtet, nicht die erste Gelegenheit, sich zu stärken, aber die letzte vor den Höhen des Kaufunger Waldes.

Stetig wand sich der sonnenbeschienene Waldweg, den sich die Läufer mit den Wanderern und Walkern teilten, bergauf. Am Umschwang, kurz vor KM 18, war eine weitere Läuferrast, und nach Überquerung der Landstraße Nieste – Kleinalmerode dauerte es weitere fünf Kilometer bis zur nächsten.

Nach ein paar hundert Metern wurde die „Waldautobahn“ verlassen. Ein Pfeil nach rechts wies die Läufer ins Unterholz, wo ein rötlich-braunes Gewässer unscheinbar zwischen den Bäumen auftauchte: Die Rote Niestequelle. Auf der anderen Seite des Waldweges folgte gleich der nächste „Geländeritt“, steinig, voller Wurzeln, unwegsam, ein ständiges Auf und Ab, aber lauschig und still: Vorbei am Kleinen Steinbergsee, hinüber zum Naturdenkmal Steinberg, wo hinter einer einsamen Wanderhütte ein Treppchen nach oben führte. Nachdem auch der Große Steinbergsee hinter den Läufern lag, war auch diese 1 ½ Kilometer lange Etappe passé.

Schon kurz nach dem Parkplatz Bilstein oberhalb Großalmerodes führte ein fast ebenso langer Trail leicht abwärts bis zu KM 28, wo an der Verpflegungsstelle Gläsnertal ein Kontrollpunkt eingerichtet war: Die Startnummern aller Ankömmlinge wurden abgehakt.

Die erste Streckenhälfte barg noch keine Überraschungen gegenüber den Vorjahren. Einen ersten wirklich neuen Streckenabschnitt lernten die Läufer gleich im Anschluss kennen. Von der Waldsiedlung „Am Schmelzhof“ führte ein Pfad am „Giesenbach“ entlang westwärts bis nach Wickenrode. Man konnte schon erahnen, dass nach einem längeren Abstieg an anderer Stelle die verlorenen Höhenmeter wieder eingeholt werden mussten. Und so war es auch. Am Ortsrand des Dorfes wandte sich die Strecke nach rechts und mündete in einen steilen Anstieg, den die meisten wohl gehend bewältigt haben dürften. Die letzten zwei Kilometer bis zum Verpflegungspunkt bei KM 35, demselben wie bei KM 28, waren flach.

Aus zwei Richtungen wurde diese Stelle angelaufen: Während die einen schon 35 Kilometer hinter sich hatten, stand den anderen die 7-km-Schleife noch bevor. Beide Gruppen versammelten sich an der Tränke. Nur mussten die Schnelleren nach rechts und die Langsameren nach links weiterlaufen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt! Aber wie schon erwähnt, die Startnummern wurden ja registriert.

Zufällig begegnete Tim Kuhlmann, der den Ausflug nach Wickenrode bereits absolviert hatte, dort seinem Vereinskameraden Robert Thiele, der just aus der Gegenrichtung heranlief. Aufgrund einer Verletzung hatte Robert eineinhalb Wochen nicht trainieren können. Ankommen hieß seine Devise. Als er aber von der 7-km-Runde zurückkehrte und sich am Verpflegungspunkt mit Ess- und Trinkbarem versorgte, war es ihm schlicht unmöglich, wieder anzulaufen. Die Beine versagten ihren Dienst. Schweren Herzens sah er sich gezwungen, das Rennen aufzugeben. Bei 35 Kilometer und einer Zeit von 5:11 Stunden wäre es ihm ohnehin schwergefallen, das Zeitlimit einzuhalten, zumal im letzten Drittel der beschwerliche Bilstein zu besteigen war. Er war nicht der einzige, der an jenem Punkt auf den Rücktransport nach Kleinalmerode wartete. Der dafür vom Orgateam angeforderte Krankenwagen ließ fast 1 ½ Stunden auf sich warten. Inzwischen war es fast 18 Grad warm und weiterhin sonnig, die Gefahr einer Verkühlung bestand also nicht.

Die Laufstrecke führte indes ab KM 35 drei Kilometer nur bergab. Rechter Hand flossen Schwarzbach und Rote Nieste zur Nieste zusammen. Leicht und locker konnte man hier die Füße laufen lassen. Umso mühevoller war der lange Anstieg auf der gegenüberliegenden Seite des Tales. Nach fast fünf Kilometern des ununterbrochenen Bergauflaufens stellte der berüchtigte Bilsteinaufstieg den Höhepunkt dar. Einen würdigen Empfang bereitete den Läufern und Wanderern der Musikzug Kleinalmerode, der neben Turm und Bergrestaurant postiert war. Der Ausblick vom Hochplateau des Bilsteins bei 635 m über NN ins sonnige Umland des Meißners und weit darüber hinaus war sehr eindrucksvoll. Gerne hätten die Läufer dort länger verweilt, aber die Uhr blieb nicht stehen. So begaben sie sich nach einer kurzen Pause an der Trinkstation an den Abstieg, dessen erste 100 Meter in der Ausschreibung unter die Kategorie „böse“ fielen.

Nach dem „vielarmigen Wegweiser“ folgte die mit acht Kilometern längste „Erholungsphase“, wenn man den fast beständigen Bergablauf durch den nach Norden führenden Wald so nennen darf. Ein kurzer Trail beendete diesen Abschnitt. An der Wassertretstelle bei Roßbach wurde der Wald endgültig verlassen und eine weitere Verpflegungsstelle erreicht. Sechs Kilometer lagen nur noch vor den Läufern und Wanderern. Anders als bisher verlief die Endphase nicht über Oberroßbach, sondern direkt an Roßbach vorbei durch die Wacholderheide, die mit einigen „kleinen, aber fetzigen Abschnitten“ aufwartete, wie es hieß. Diese waren aber teilweise so „giftig“, dass die meisten Kenner des Bilstein-Marathons sich nach der altbekannten Schlussetappe gesehnt haben dürften. Denn hatte man vormals Oberroßbach erstmal erreicht, gab es hernach keine knackigen Anstiege mehr zu bewältigen. Im neuen Streckenverlauf herrschte daran bis zum Schluss kein Mangel. Beim Durchlaufen der Wacholderheide konnte man nur sporadisch den Blick auf Roßbach schweifen lassen, da die schmalen, geschotterten Pfade volle Aufmerksamkeit erforderten, vor allen Dingen bei dem fortgeschrittenen Ermüdungszustand.

Einerlei, das Ziel war nicht mehr fern. Die letzten hundert Meter führten bergab. Der Zielsprecher war schon von Weitem zu hören. Eine langgezogene Rechtskurve verlief geradewegs in den Zielkanal hinein, wo der Sprecher, Martin Werner vom Veranstalter sport4you e.V., alle Ankommenden namentlich benannte und mit Handschlag begrüßte. Jeder Finisher erhielt eine Medaille und konnte sich freuen, an einem schönen Landschaftslauf erfolgreich teilgenommen zu haben. Das am Morgen noch verschlafene Dörfchen war mittlerweile hellwach. Auf dem Dorfplatz am Gemeinschaftshaus herrschte Volksfeststimmung. Mit Hochbetrieb wurden Getränke und Würstchen verkauft, und drinnen gab es Kaffee und eine fette „Kuchen satt Party“.

Zwei Marathonis des KSV Baunatal konnten das erhebende Gefühl genießen, die Ultradistanz geschafft zu haben: Heiko Rammenstein (5:58:34,5 Std.) und Tim Kuhlmann (6:32:07,1 Std.). 158 weitere Läuferinnen und Läufer fanden ebenfalls den Weg ins Ziel.

Die Marathonstrecke war bis KM 26, das heißt bis nach dem Trail an den Steinbergseen und dem Bilsteinparkplatz oberhalb Großalmerodes, identisch mit der längeren Strecke. Allerdings entfielen die Wickenrode-Tour und der Ausflug ins Schwarzbachtal. Stattdessen ging es ohne Umschweife hinauf zum Bilstein, wo sich beide Strecken wieder vereinten.

Pünktlich um 10 Uhr wurde der Marathon gestartet. Die KSV-Läufer Lars Bubenheim und Jörg Lorenz waren im 83köpfigen Teilnehmerfeld. Sie bereiten sich derzeit auf den Zugspitz Ultratrail im Juni vor und sammeln daher jede Menge Höhenmeter. Wie gewohnt bewältigten sie die Strecke gemeinsam, hatten Spaß an den netten Trails und waren 4:53:32,4 Std. (Jörg) und 4:53:35,8 Std (Lars) unterwegs.

Als der Zielsprecher ihre Namen posaunte, eilte Heiko aus dem Dorfgemeinschaftshaus nach draußen, um sie zu empfangen. Auf einer der bereitgestellten Bänke konnten sie sich ausruhen und sich herrlich kühles Hefeweizen reinziehen. Alkolfreies, natürlich! Wenige Minuten später gesellte sich auch noch Tim nach dessen Zielankunft dazu.

Längst verschwunden war zu der Zeit schon Tobias Flörke. Um 10:30 Uhr zum Halbmarathon mit insgesamt 154 Teilnehmern angetreten, spielte er seine gute Form aus, die er sich in den letzten Wochen antrainiert hatte. Trotz Zurückhaltung war er bereits nach 1:48:52,8 Std. im Ziel. Am 26.04. steht der Hamburg Marathon an, dem er beruhigt entgegen sehen kann.


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